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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Drei sind einer zu viel? Kommunikationsdynamiken zwischen Menschen mit Demenz, informell Pflegenden und Hausärzt:innen

Josefine Schulze - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
Sarah Porzelt - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
Katharina Schmalstieg-Bahr - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
Ghasaq Hussein - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
Martin Scherer - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
Nadine Janis Pohontsch - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland

Text

Hintergrund: In der medizinischen Forschung und Ausbildung liegt der Fokus auf dyadischer Kommunikation zwischen Patient:innen und Gesundheitsfachkräften. Bei Menschen mit Demenz (MmD) erfolgen Konsultationen jedoch häufig in einer triadischen Konstellation, wobei informell Pflegende (iP) die Kommunikation als Fürsprecher:innen, Informationsvermittler:innen und Moderator:innen unterstützen. Trotz des Risikos der Marginalisierung von MmD innerhalb der triadischen Kommunikation ist die empirische Forschung dazu begrenzt.

Zielsetzung/Fragestellung: Die Studie verfolgt das Ziel, ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, wie Hausärzt:innen (HÄ) triadische Kommunikation strukturieren und MmD angemessen einbinden können. Dazu wurden Kommunikationsmuster in triadischen Konsultationen analysiert und Situationen identifiziert, in denen Brüche in der Kommunikation und marginalisierende Interaktionen sichtbar wurden.

Material & Methoden: Zehn triadische Konsultationen zwischen HÄ, MmD und iP wurden nicht-teilnehmend beobachtet, audioaufgezeichnet und transkribiert. Es wurden Interaktionsprotokolle mit grafischer Darstellung der Kommunikationsdynamik angefertigt. Non-verbale Kommunikation wurde anhand strukturierter Beobachtungsprotokolle dokumentiert. Die Datenanalyse erfolgte konversationsanalytisch und inhaltlich-strukturierend.

Ergebnisse: In jeder Konsultation traten kommunikative Herausforderungen auf. Es wurde ein breites Spektrum zwischen triadischer und ausschließlich dyadischer Interaktion ohne Einbezug des MmD beobachtet. Zur Klärung des Konsultationsanlasses, Behandlungsplanung und bei organisatorischen Themen wandten sich HÄ primär an iP. IP fungierten als Informationsgebende, "übersetzten" schwer verständliche Äußerungen des MmD und leisteten praktische Hilfestellung. Marginalisierende Kommunikationsmuster wurden in allen Gesprächsabschnitten beobachten und umfassten das Sprechen für den MmD, Unterbrechen, Ignorieren, Bloßstellen, Koalitionsbildung, Entscheidungsfindung unter Abwesenheit des MmD und unangemessenes Sprachniveau.

Diskussion: Die Strukturierung triadischer Konsultationen ist für HÄ ein Balanceakt. Zusätzliche Rollenanforderungen für HÄ sind u.a. die Anamnese unter Berücksichtigung von Selbst- und Fremdangaben, Beachtung non-verbaler Kommunikation, der Umgang mit sensiblen Themen sowie die Beachtung ethischer Aspekte bei der Entscheidungsfindung.

Take Home Message für die Praxis: Die Sicherung der Teilhabe von MmD in triadischer Kommunikation erfordert von HÄ eine aktive Strukturierung sowie die Berücksichtigung interaktioneller und kontextueller Faktoren.

Interessenkonflikte: Keine