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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Ökonomie, Disziplinierung, Materialität – soziologische Perspektiven auf das Präventionsparadigma
Text
Hintergrund: Die Medizin der Zukunft ist präventiv. Prävention ist dabei weit mehr als eine rein medizinische Praxis. Indem sie Risiken identifizieren und bewerten und Maßnahmen umsetzen, konkretisieren präventive Strategien wie eine erstrebenswerte Zukunft aussieht und versprechen Wege in diese Zukunft bereitzustellen. Es dominiert dabei ein medizinisch-klinischer Blick das Präventionsparadigma.
Zielsetzung/Fragestellung: Ziel des Beitrages ist, für die Relevanz soziologischer Theorien zu plädieren, um Präventionsprogramme in ihrer Komplexität zu verstehen.
Material & Methoden: Es werden drei Forschungsansätze vorgestellt.
Ergebnisse: Mit einem polit-ökonomischen Ansatz wird gefragt, wie und mit welchen Interessen politische und wirtschaftliche Denkmuster das Präventionsparadigma mitgestalten. Die Rolle von Kostenkalkülen und Einsparungszielen, der Fokus auf individuelles Verhalten und implizite wie explizite Bezugnahmen auf die Humankapitaltheorie werden durch diese Perspektive adressiert. In einer als Investment verstandenen Gesundheitsprävention, werden Fragen von Gerechtigkeit und Ungleichheitsreduktion strukturell vernachlässigt.
Die Gouvernementalitäts-Forschung verdeutlicht eine konzeptionelle Nähe von Prävention zu Begriffen der sozialen Kontrolle, Disziplinierung, Regierung, Sicherheit und Risiko. Wie Appelle an eine gesunde Lebensführung mit der Bewertung der Lebens- und Alltagsgestaltung bestimmter sozialer Gruppen einhergehen, der Bezug auf neoliberale Programme des vorbeugenden Selbstmanagements und die im Präventionsparadigma virulenten Menschen- und Gemeinschaftsbilder sowie Vorstellungen von Normalität und Abweichungen werden hier diskutiert.
Zuletzt werden praxistheoretische Ansätze vorgestellt, die die Materialität des Alltags, das Zusammenspiel von technischen Objekten und Körpern, von Affekten und Handlungsfähigkeiten in den Mittelpunkt stellt. Es wird dafür plädiert, die Auswirkungen von Präventionsmaßnahmen auf lebensweltliche Strukturen und die damit einhergehende Produktion von Handlungs(un)fähigkeiten im Detail zu rekonstruieren.
Diskussion: Präventive Ansätze sind Ausdruck medizinischen Denkens über soziale Zusammenhänge und Wirklichkeiten. Sie werden damit zu Arenen, in denen Fragen von Teilhabe und Gerechtigkeit, Stigmatisierung und Solidarität, von politischer Steuerung, individueller Verantwortung und Ökonomisierung verhandelt werden.
Take Home Message für die Praxis: Es bedarf gesellschafts- und sozialtheoretischer Forschungsansätze, um Gesundheitsprävention in ihrer Komplexität zu verstehen und eine kritisch-reflexive Haltung einzunehmen.
Interessenkonflikte: Keine vorhandenen Interessenskonflikte.



