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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Früher, häufiger oder länger screenen? Modellbasierte Analyse der Langzeit-Effektivität verschiedener Strategien der Darmkrebsvorsorge bei Personen mit durchschnittlichem Risiko in Deutschland

Kristina Schaubert - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Ressort Gesundheitsökonomie, Deutschland
Robert Hüneburg - Universitätsklinikum Bonn, Medizinische Klinik und Poliklinik I, Nationales Zentrum für Erbliche Tumorerkrankungen, Bonn, Deutschland
Sonja Schiller - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Ressort Gesundheitsökonomie, Deutschland
Anja Schwalm - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Ressort Gesundheitsökonomie, Deutschland
Dorothea Sow - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Ressort Informationsmanagement, Deutschland
Gaby Sroczynski - UMIT TIROL – Private Universität für Gesundheitswissenschaften und -technologie, Institute of Public Health, Medical Decision Making and Health Technology Assessment Department of Public Health, Health Services Research and Health Technology Assessment, Österreich
Sibylle Sturtz - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Ressort Medizinische Biometrie, Deutschland
Markus von Pluto Prondzinski - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Ressort Nichtmedikamentöse Verfahren, Deutschland
Tim Mathes - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Ressort Gesundheitsökonomie, Deutschland

Text

Hintergrund: Gesetzlich Versicherte in Deutschland haben ab dem Alter von 50 Jahren Anspruch auf eine Früherkennung des kolorektalen Karzinoms (KRK). International wird ein Anstieg der KRK-Inzidenz in jüngeren Altersgruppen beobachtet.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel war es, die Auswirkungen unterschiedlicher Screeningstrategien im Hinblick auf Startalter, Untersuchungsintervalle und maximale Anzahl an Koloskopien zu evaluieren.

Material & Methoden: Da zu dieser spezifischen Fragestellung keine direkte Evidenz erwartbar war, wurde ein Markov-Modell für den deutschen Erkrankungs- und Screeningkontext entwickelt, kalibriert und validiert. Modellparameter umfassten Testgüte und unerwünschte Ereignisse der Koloskopie sowie Überlebensraten aus Krebsregisterdaten. Es wurden Szenarien mit vollständiger und unvollständiger Teilnahme berücksichtigt.

Primäre Endpunkte waren gewonnene Lebensjahre, vermiedene KRK-Fälle sowie die Anzahl zusätzlicher Koloskopien. Die Ergebnisse wurden mittels Effizienzgrenzen und über das inkrementelle Verhältnis zusätzlicher Koloskopien pro vermiedenem KRK-Fall bzw. pro gewonnenem Lebensjahr für alle nicht dominierten Strategien dargestellt.

Ergebnisse: Für das Screening mit Test auf okkultes Blut im Stuhl (iFOBT) hat sich die Verkürzung des Intervalls auf jährlich unter Beibehaltung des jetzigen Startalters als robuste Variante erwiesen (Männer bzw. Frauen: 31–34 bzw. 43–53 zusätzliche Koloskopien pro vermiedenen Fall gegenüber der nächsten einheitlichen weniger effektiven Strategie auf der Effizienzgrenze; 6–8 bzw. 6–9 zusätzliche Koloskopien pro gewonnenes Lebensjahr). Eine Herabsetzung der unteren Altersgrenze zeigte beim koloskopiebasierten Screening nur eine geringe Reduktion der KRK-Fälle und Mortalität. Statt früher zu beginnen wäre es tendenziell von größerem Vorteil die Darmkrebsfrüherkennung über einen längeren Zeitraum durchzuführen. Dies könnte u.a. durch eine Strategie mit 3 statt 2 Koloskopien unter Beibehaltung der jetzigen Startalters erreicht werden (Männer bzw. Frauen: 13–22 bzw. 21–68 zusätzliche Koloskopien pro vermiedenen Fall; 5–6 bzw. 13–16 zusätzliche Koloskopien pro gewonnenes Lebensjahr).

Diskussion: Trotz bestehender Unsicherheiten lassen sich grundlegende Handlungsoptionen mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen identifizieren, um die Entscheidung zu unterstützen.

Take Home Message für die Praxis: Eine Verlängerung des Screeningzeitraums erscheint trotz jüngeren Erkrankungsalters effektiver als eine Absenkung des Startalters. Jährliche iFOBT-Strategien stellen tendenziell eine effiziente Alternative dar.

Interessenkonflikte: Keine