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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Kann sozialer Zusammenhalt die gesundheitlichen Risiken von Diskriminierung abmildern? Ergebnisse des Panels „Gesundheit in Deutschland“

Carmen Koschollek - Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland
Susanne Bartig - Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland; Freie Universität Berlin, Institut für Soziologie, Berlin, Deutschland
Marleen Bug - Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland
Petra Rattay - Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland
Jens Hoebel - Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland

Text

Hintergrund: Diskriminierung ist eine relevante soziale Determinante der Gesundheit. Je häufiger sie im Alltag erfahren wird, desto schlechter wird die allgemeine Gesundheit (SRH) selbst eingeschätzt. Gleichzeitig gelten soziale Unterstützung (sU) und das Zugehörigkeitsgefühl zur Gesellschaft als gesundheitliche Ressourcen.

Zielsetzung/Fragestellung: Der Beitrag untersucht, inwiefern der Erhalt von sU sowie ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zur Gesellschaft in Deutschland die Assoziation zwischen Diskriminierungserfahrungen und SRH moderieren.

Material & Methoden: Datengrundlage bildet das bevölkerungsbezogene RKI-Panel „Gesundheit in Deutschland“ 2024 (n=26.645). Diskriminierungserfahrungen wurden mit einer adaptierten Version der Everday Discrimination Scale erfasst. Mittels Poisson-Regressionen wurden Interaktionen zwischen Diskriminierungserfahrungen und sU bzw. dem Zugehörigkeitsgefühl zur Gesellschaft bei Adjustierung für demographische, sozioökonomische und migrationsbezogene Merkmale analysiert. Berichtet werden vorhergesagte Wahrscheinlichkeiten sowie Prevalence Ratios (PR) für eine mittelmäßige bis sehr schlechte SRH.

Ergebnisse: 81,4% der Befragten geben an, selten bis sehr oft Alltagsdiskriminierung zu erfahren. Eine schlechtere SRH berichten 36,4% mit und 30,1% ohne Diskriminierungserfahrungen. Die Moderationsanalyse zeigt, dass bei Personen mit starker sU die SRH-Unterschiede zwischen Personen mit (25,6%) und ohne Diskriminierungserfahrungen (22,0%) kleiner ausfallen als bei Personen mit geringer sU (47,9% vs. 31,6%). Die Interaktion zwischen dem Zugehörigkeitsgefühl und Diskriminierung ist nicht signifikant, wohl aber die beiden Haupteffekte, die additiv auf SRH wirken. Für Diskriminierungserfahrungen ergibt sich ein PR von 1,27 und für das Zugehörigkeitsgefühl zur Gesellschaft in Deutschland ein PR von 1,31 (teils/ teils) bzw. 2,02 (kaum/ gar nicht).

Diskussion: Diskriminierung gekoppelt mit einer geringen sU ist im hohen Maße mit einer schlechteren SRH assoziiert. Der Erhalt von sU und ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zur Gesellschaft scheinen hingegen die gesundheitlichen Risiken von Diskriminierung abmildern zu können.

Take Home Message für die Praxis: Um sU als auch das Zugehörigkeitsgefühl zur Gesellschaft zu stärken, gilt es, den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft auch in Zeiten multipler Krisen zu fördern und gleichzeitig Diskriminierung gesamtgesellschaftlich zu adressieren.

Interessenkonflikte: Keine