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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Einfluss sozialmedizinischer Begutachtung auf die ambulante Wundversorgung: Qualitätsverbesserungen und Kosteneffekte eines Pilotprojekts

Claudia Druschel - Medizinischer Dienst Berlin-Brandenburg, Berlin, Deutschland
Jana Tannenberg - Medizinischer Dienst Berlin-Brandenburg, Berlin, Deutschland
Jens Steinbrück - Medizinischer Dienst Berlin-Brandenburg, Berlin, Deutschland
Fabian Stefaniak - Medizinischer Dienst Berlin-Brandenburg, Berlin, Deutschland
Anne-Kathrin Boettcher - Medizinischer Dienst Berlin-Brandenburg, Berlin, Deutschland
Ernst Seiffert - Medizinischer Dienst Berlin-Brandenburg, Berlin, Deutschland

Text

Hintergrund: Chronische Wunden stellen weltweit eine erhebliche klinische und ökonomische Belastung dar. Trotz steigender Kosten besteht eine große Variabilität in der Versorgungsqualität. Internationale Leitlinien betonen eine leitlinienbasierte, multidisziplinäre Versorgung, die sich an der zugrunde liegenden Ätiologie orientiert und kostspielige Wundprodukte erst nach Ausschöpfung kausaler Maßnahmen einsetzt. Evidenzbasierte Bewertungen weisen auf eine begrenzte Datenlage zur Überlegenheit moderner Wundauflagen hin und empfehlen eine kostenbewusste Therapieentscheidung.

Zielsetzung/Fragestellung: Untersucht wurde, ob eine gezielte sozialmedizinische Begutachtung in Kombination mit strukturierter Beratung zur Reduktion von Verbandskosten beiträgt und Hinweise auf Qualitätsverbesserungen in der ambulanten Wundversorgung liefert.

Material & Methoden: In Kooperation mit einer gesetzlichen Krankenkasse wurde ein spezialisiertes Wundbegutachtungsteam aufgebaut und geschult. Innerhalb eines Quartals wurden die 43 kostenintensivsten ambulanten Wundfälle anhand von Akten geprüft (Wunddokumentation, Verordnungen für Verbände, Hilfsmittel und Therapien). Alle sozialmedizinischen Stellungnahmen enthielten fallspezifische Empfehlungen auf Basis nationaler und internationaler Leitlinien sowie ein Beratungsangebot durch qualifizierte Wundexpertinnen/-experten.

Ergebnisse: In allen Fällen zeigten sich relevante Abweichungen von leitliniengerechter Versorgung, darunter fehlende Abklärung und Behandlung von Grunderkrankungen, paralleler Einsatz mehrerer nicht indizierter Verbände sowie unzureichende unterstützende Maßnahmen. Eine strukturierte Beratung wurde in 55% der Fälle angenommen. Die durchschnittlichen jährlichen Verbandskosten lagen initial bei 16.166 € pro versicherter Person. Nach sozialmedizinischer Begutachtung reduzierten sich die Kosten bei angenommener Beratung um durchschnittlich 11.153 € (−70%), ohne Beratung um 6.509 € (−40%). Eine longitudinale Analyse der Heilungsverläufe erfolgt derzeit.

Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass sozialmedizinische Begutachtungen in der ambulanten Wundversorgung erhebliche Potenziale zur Kostenreduktion und zur Identifikation qualitätsrelevanter Defizite bieten. Die Kombination aus strukturierter Bewertung und gezielter Beratung fördert eine leitlinienkonforme und ressourcenschonende Versorgung.

Take Home Message für die Praxis: Gezielte sozialmedizinische Begutachtung mit strukturierter Beratung unterstützt leitliniengerechte Wundversorgung, reduziert Kosten und verbessert die Versorgungsqualität in der ambulanten Praxis.

Interessenkonflikte: Keine