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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Armut und Gesundheit im Trend – zeigen sich bei der gesundheitlichen Ungleichheit von 2009 bis 2024 Unterschiede zwischen Eltern und Nicht-Eltern?

Petra Rattay - Robert Koch-Institut, Abt. Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland; Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Universitätsklinikum Düsseldorf, Institut für Medizinische Soziologie, Düsseldorf, Deutschland
Florian Beese - Robert Koch-Institut, Abt. Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland
Stefanie Sperlich - Medizinische Hochschule Hannover, Medizinische Soziologie, Hannover, Deutschland
Nico Dragano - Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Universitätsklinikum Düsseldorf, Institut für Medizinische Soziologie, Düsseldorf, Deutschland
Niels Michalski - Robert Koch-Institut, Abt. Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland

Text

Hintergrund: Trendanalysen zur Entwicklung gesundheitlicher Ungleichheiten haben eine hohe Public Health-Relevanz. Einkommensbedingte Unterschiede in der Gesundheit können aber zwischen Bevölkerungsgruppen variieren, beispielsweise zwischen Eltern und Nicht-Eltern. Trendstudien hierzu liegen bislang nicht vor.

Zielsetzung/Fragestellung: Zeigen sich bei der einkommensbezogenen gesundheitlichen Ungleichheit im Trend Unterschiede zwischen Eltern und Nicht-Eltern?

Material & Methoden: Mit Daten aus acht GEDA-Surveys („Gesundheit in Deutschland aktuell“, 2009–2023) und Welle 1 des RKI-Panels (2024) (n=106.399, 25–59 Jahre) wurden für eine gute (selbsteingeschätzte) Gesundheit Poisson-Regressionen mit Dreifachinteraktionen aus Einkommen (<60% des Medianeinkommens = armutsgefährdet; 60% – <150%; ≥150%), Elternstatus und Survey berechnet (adjustiert für Alter und Partnerstatus). Zudem wurden pro Survey der Slope Index of Inequality und der Relative Index of Inequality als Maße absoluter bzw. relativer Ungleichheit stratifiziert nach Elternstatus ermittelt.

Ergebnisse: 2009 berichteten 75,7% der Frauen und 77,7% der Männer eine gute Gesundheit. Für die Gesamtstichprobe zeigte sich bis zu Beginn der COVID-19-Pandemie keine Veränderung der Prävalenz. Während zu Pandemiebeginn ein Anstieg der Prävalenz zu verzeichnen war, fiel diese 2022 wieder auf das vorpandemische Niveau und in 2024 bei Frauen auf 68,1% und bei Männern auf 71,6%. Die Moderationsanalyse ergab einen Rückgang der guten Gesundheit bei armutsgefährdeten Nicht-Vätern ab 2014/15 und bei armutsgefährdeten Nicht-Müttern nach 2014/15. Ab 2023 wurde auch bei armutsgefährdeten Müttern ein Rückgang einer guten Gesundheit beobachtet. Die absolute und relative gesundheitliche Ungleichheit fiel bei Nicht-Müttern von 2014/15 bis 2022 signifikant höher aus als bei Müttern.

Diskussion: Schon vor der Pandemie verschlechterte sich die Gesundheit armutsgefährdeter Nicht-Eltern. Dies könnte u.a. auf die anhaltende Belastung dieser Gruppe durch die zunehmend größere Einkommensungleichheit und die andauernde Polykrise zurückzuführen sein. Elternschaft scheint einen Teil der mit Armut verbundenen Belastungen abpuffern zu können, insbesondere bei Frauen.

Take Home Message für die Praxis: Maßnahmen zur Verringerung von Armut und zur Förderung gesundheitlicher Chancengerechtigkeit sollten unterschiedliche Bedarfe von Eltern und Nicht-Eltern berücksichtigen. Zudem bedarf es eines kontinuierlichen Monitorings gesundheitlicher Ungleichheit für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen.

Interessenkonflikte: Keine