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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Die Bedeutung psychosozialer Faktoren zur Erklärung sozioökonomischer Ungleichheiten in der Allostatischen Last: eine kausale Mediationsanalyse

Timo-Kolja Pförtner - Universität zu Köln, Forschungs- und Lehrbereich Erziehungshilfe und Sozial-Emotionale Entwicklungsförderung, Köln, Deutschland
Ibrahim Demirer - Universitätsklinikum Bonn, Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung (CHSR), Bonn, Deutschland
Julia Schwichtenberg - Universitätsmedizin Essen, Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Essen, Deutschland
Laven Mavarani - Universitätsmedizin Essen, Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Essen, Deutschland
Börge Schmidt - Universitätsmedizin Essen, Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Essen, Deutschland

Text

Hintergrund: Das Konzept der Allostatischen Last (AL) bietet eine Grundlage zum Verständnis, wie der sozioökonomische Status (SES) unter die Haut geht. Obgleich die bisherige Studienlage eine signifikante Assoziation zwischen SES und AL belegt, sind die zugrundeliegenden Mechanismen bislang unzureichend erforscht.

Zielsetzung/Fragestellung: Im vorliegenden Beitrag wird untersucht, inwieweit die Depressionsschwere, die soziale Teilhabe und das finanzielle Wohlbefinden die Assoziation zwischen SES und AL vermitteln.

Material & Methoden: Datengrundlage bildeten drei Wellen der prospektiven Heinz-Nixdorf-Recall Studie (n=2.892). Die AL wurde über 13 Biomarker aus vier physiologischen Systemen operationalisiert. Als Prädiktor wurde der SES über das Einkommen, den beruflichen Status und den höchsten formalen Bildungsabschluss abgebildet. Als Mediatoren fungierten die Depressionssymptomatik (CES-D), der soziale Integrationsindex und das subjektiv wahrgenommene finanzielle Wohlbefinden. Ihr Erklärungsbeitrag wurde mittels längsschnittlicher Mediationsanalyse unter Anwendung marginaler struktureller Modelle mit inversen Wahrscheinlichkeitsgewichten geschätzt, um eine zeitabhängige Konfundierung angemessen zu berücksichtigen.

Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen eine signifikante Assoziation zwischen SES und AL (β = –0,245; 95%-KI: –0,318 bis –0,172). Es zeigte sich eine partielle Mediation, bei der die depressive Symptomatik, die soziale Integration und das finanzielle Wohlbefinden zusammen 17,9% (95%-KI: 6,26–29,59%) der Beziehung zwischen SES und AL erklärte. Die höchste Bedeutung hatte hierbei die soziale Integration, die separat 6,2% (95%-KI: 0,30–12,05%) der Ungleichheiten vermittelte. Depressive Symptome und finanzielle Zufriedenheit zeigten hingegen keine signifikanten indirekten Effekte.

Diskussion: Die Ergebnisse weisen auf die Bedeutung sozialer Teilhabe zur Erklärung der Beziehung zwischen AL und SES hin. Ungeachtet dessen verbleibt ein Großteil der Assoziation zwischen SES und AL ungeklärt, was auf die Bedeutung lebenslaufspezifischer Prozesse hindeutet, in denen sich Benachteiligungen über die gesamte Lebensspanne in einer physiologischen Dysregulation manifestieren.

Take Home Message für die Praxis: Die Stärkung sozialer Teilhabe stellt einen wesentlichen Bezugsrahmen zur Prävention sozioökonomischer Ungleichheiten physiologischer Dysregulation dar. Darüber hinaus sind lebenslaufspezifische Präventionsansätze erforderlich, die soziale Benachteiligung und ihre langfristigen Auswirkungen auf das gesundheitliche Wohlbefinden adressieren.

Interessenkonflikte: Keine