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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Subjektive Krankheitskonzepte von Behandelnden zu Post-COVID bei Kindern, Jugendlichen und sehr jungen Erwachsenen anhand des Common-Sense-Selbstregulationsmodells: eine qualitative Studie
Text
Hintergrund: Das Erkrankungsbild des Post-COVID-Syndroms (PCS) und anderer postakuter Infektions- und Vakzinierungssyndrome (PAIVS) ist auch in der Pädiatrie unzureichend erforscht, weshalb subjektive Krankheitskonzepte von Behandelnden relevanten Einfluss auf die Diagnostik und Behandlung nehmen können.
Zielsetzung/Fragestellung: Welche subjektiven Krankheitskonzepte haben Behandelnde zu PCS bei jungen Menschen (0–21 Jahre)?
Material & Methoden: Zwischen November 2024 und Juni 2025 wurden insgesamt 19 halb strukturierte Leitfadeninterviews mit Ärzt:innen und Therapeut:innen geführt (spezialisierte Kliniken n = 8; ambulante, nicht spezialisierten Einrichtungen n = 10; unbekannt n = 1). Die Inhaltsanalyse erfolgte inhaltlich strukturierend nach Kuckartz und orientierte sich an subjektiven Krankheitskonzepten im Common-Sense Selbstregulationsmodell nach Leventhal.
Ergebnisse: Unterschiede im Krankheitskonzept zeigten sich insbesondere hinsichtlich Identität, zeitlichem Verlauf, Kontrollierbarkeit und Krankheitskohärenz. Die Teilnehmenden verwendeten verschiedene Label (z.B. Long-COVID, ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom), PAIS) und ordneten PCS als primär somatische Erkrankung ein, oft mit psychischen Begleiterscheinungen und heterogenen, teils diffusen Symptomen. Unsicherheiten bezüglich der Erkrankungsidentität waren ein Grund dafür, dass sich niedergelassene Kinder- und Jugendärzt:innen oft nur diagnostische Vorarbeit zutrauten. Annahmen zur Erkrankungsdauer und Vorhersehbarkeit von Phasen unterschieden sich. Beschrieben wurden Strategien zum Symptommanagement, Herausforderungen der Behandlung sowie Maßnahmen zur Steigerung der Lebensqualität und Teilhabe. Einige grenzten sich von als falsch empfunden Narrativen zur Nicht-Kontrollierbarkeit von PCS oder unrealistischen Heilsversprechen ab. Trotz mehrheitlicher Krankheitskohärenz wurden Verständnislücken sowie ein eigener Lernprozess betont.
Diskussion: PCS wurde im Kontext von PAIVS und ME/CFS verortet, wobei oft eine Schärfung der Diagnose(n) gewünscht wurde. Auch Behandelnde aus spezialisierten Kliniken berichteten Herausforderungen, etwa aufgrund begrenzter Kontrolle und Heterogenität von PCS. Annahmen zu Identität, dem zeitlichen Verlauf und Kontrollierbarkeit sowie die Krankheitskohärenz stehen möglicherweise besonders im Zusammenhang mit unterschiedlicher Versorgung.
Take Home Message für die Praxis: Unterschiedliche Krankheitskonzepte zu PCS/PAIVS bei Behandelnden tragen vermutlich zu einer heterogenen Behandlungspraxis bei.
Interessenkonflikte: Die Autor:innen erklären, dass keine Interessenskonflikte bestehen.



