Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

„Aber im Internet steht…“ – Evaluation eines E-Learning-Kurses zur Unterstützung beim Umgang mit falsch vorinformierten PatientInnen

Michael Grimm - Stiftung Gesundheitswissen, Deutschland
Elena Link - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Publizistik, Mainz, Deutschland
Alina Jakob - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Publizistik, Mainz, Deutschland
Eugenia Marbach-Breitrück - Stiftung Gesundheitswissen, Deutschland
Markus Seelig - Stiftung Gesundheitswissen, Deutschland

Text

Hintergrund: Viele ÄrztInnen müssen im zeitlich engen Praxisalltag Falschinformationen, die PatientInnen aus dem Internet mitbringen, einordnen und korrigieren. Um dieser Herausforderung zu begegnen, wurde in einem partizipativen Prozess ein interaktiver E-Learning-Kurs für ÄrztInnen entwickelt. Dieser vermittelt, wieso PatientInnen Falschinformationen übernehmen, wie diese im Gespräch strukturiert korrigiert und wie PatientInnen bei der Informationssuche unterstützt werden können. Damit soll er ÄrztInnen beim Umgang mit falsch vorinformierten PatientInnen stärken.

Zielsetzung/Fragestellung: In einer Evaluation wurde geprüft, inwiefern der E-Learning-Kurs bei ÄrztInnen a) relevantes objektives Wissen, b) wahrgenommene spezifische Kompetenzen im Umgang mit falsch vorinformierten PatientInnen und c) übergreifende Dimensionen der professionellen Gesundheitskompetenz (Informations-/Wissensvermittlung, patientenzentrierte Kommunikation, digitale Gesundheitskompetenz; HLS-PROF-GER) steigert.

Material & Methoden: In einer Online-Befragung im RCT-Design wurden N=400 ÄrztInnen befragt. Zwischen Prä- (t0) und Post-Befragung (t1, nach ca. 1 Woche) absolvierte die Interventionsgruppe (IG) den Kurs, während die Kontrollgruppe (KG) nur die Befragungen durchlief. Die Auswertung erfolgte mittels Mixed ANOVAs unter Kontrolle von Alter und Berufserfahrung. Eine Follow-up-Befragung (t2, nach ca. 4 Wochen) ist derzeit im Feld.

Ergebnisse: Die Intervention steigerte das objektive Wissen maßgeblich (F(1, 396)=213,78, p<.001, partielles η²=.35). Hinsichtlich der spezifischen Kompetenzen bewertete die IG ihre Fähigkeit, Gründe für die Übernahme von Falschinformationen zu verstehen (F(1, 396)=29.02, p<.001, partielles η²=.068), und Falschinformationen strukturiert entkräften zu können (F(1, 396)=9.06, p=.003, partielles η²=.022), signifikant höher als die KG. Bei der Unterstützung von PatientInnen bei der Informationssuche sowie den Dimensionen der professionellen Gesundheitskompetenz zeigten sich positive Tendenzen, jedoch keine signifikanten Effekte.

Diskussion: Der Kurs stärkt das Wissen und die spezifischen Kompetenzen für den Umgang mit falsch vorinformierten PatientInnen und bietet ÄrztInnen damit ein unmittelbares Unterstützungspotenzial. Die komplexen Dimensionen der professionellen Gesundheitskompetenz bedürfen über die punktuelle Intervention hinaus einer kontinuierlichen Förderung.

Take Home Message für die Praxis: Mit dem frei verfügbaren E-Learning-Kurs können ÄrztInnen nachweislich beim souveränen Umgang mit falsch vorinformierten PatientInnen unterstützt werden.

Interessenkonflikte: MG und EM sind bei der gemeinnützigen Stiftung Gesundheitswissen an der Erstellung von Fortbildungs- und Informationsangeboten für die Gesundheitsaufklärung und -versorgung beteiligt.