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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

„Notfälle in der Sprechstunde und beim Hausbesuch“ – Entwicklung und Implementierung eines simulationsbasierten Notfalltrainings im Curriculum der postgraduierten allgemeinmedizinischen Weiterbildung (KWBW-Verbundweiterbildungplus)

Thorsten Doneith - Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Tübingen, Deutschland
David Müller - Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Tübingen, Deutschland
Christian Förster - Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Tübingen, Deutschland
Simon Schwill - Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Deutschland

Text

Hintergrund: In hausärztlichen Praxen (HÄP) in Deutschland kommt es im Durchschnitt einmal im Monat zu einer Notfallsituation. Eine kompetente Notfallversorgung ist von hoher Relevanz für das Patientenoutcome. Im Zuge der Neufassung der Weiterbildungsordnung 2020 mit der Möglichkeit, Kompetenzen in der Notfallbehandlung über Simulationen zu erwerben, wurde 2023 eine entsprechende Weiterentwicklung des Curriculums der KWBW-Verbundweiterbildung vorgenommen.

Zielsetzung/Fragestellung: Auf Basis der Reisensburger Erklärung und des NaSim25-Kurskonzeptes sowie internationaler Literatur und eines multiprofessionellen Delphi-Verfahrens wurden zwölf hausärztlich relevante Notfallszenarien definiert und an die Versorgungsrealität der HÄP angepasst. Der hieraus entwickelte zweitägige Kurs besteht aus Impulsvorträgen und simulationsbasierten Szenarien in Kleingruppen mit standardisiertem Debriefing. Durch eine begleitende Evaluation soll die Nachhaltigkeit der erworbenen Kompetenzen dargestellt werden.

Material & Methoden: Die Teilnehmenden (TN) wurden direkt nach dem Kurs (t1) sowie ein Jahr danach (t2) bzgl. ihrer selbsteingeschätzten notfallmedizinischen Kompetenzen sowie zu Veränderungen in der Praxisausstattung und im Praxisablauf mit einem selbstentwickelten Online-Fragebogen befragt. Die Fragebogendaten wurden deskriptiv ausgewertet. Der Kompetenzzuwachs wurde in einem retrospective post-then-pre design erhoben.

Ergebnisse: Es nahmen insgesamt 38 ÄiW-AM an der Befragung teil. Die erworbenen Kompetenzen wurden zu den Erhebungszeitpunkten t1 und t2 besser als vor dem Kurs eingeschätzt. Die TN fühlten sich in den trainierten Situationen sicherer und beschrieben eine geringere Angst vor den trainierten Notfällen. Das simulationsbasierte Kursformat wird für die Lernziele als passend erlebt, das Training innerhalb der KWBW-Gruppe erwies sich als besonders lernförderlich.

Diskussion: Das entwickelte Kursformat kann die aus den Lernzielen abgeleiteten Kompetenzen vermitteln. Der Transfer in die Praxis gelingt nachhaltig. Dadurch sind positive Effekte auf die Versorgung von Notfällen in der HÄP zu erwarten. Die Einbettung in das Curriculum des KWBW gewährleistet eine hohe Reichweite, langfristige Verankerung sowie ressourcensparende Übertragbarkeit auf weitere KW.

Take Home Message für die Praxis:

  • Ein in das Seminarprogramm der KWBW-Verbundweiterbildung integriertes Notfalltraining kann effektiv die subjektive Sicherheit im Management hausärztlicher Notfallsituationen verbessern.
  • Die erworbenen Kompetenzen sind auch ein Jahr nach Kursteilnahme noch deutlich besser als vor dem Kurs.

Interessenkonflikte: Alle Autoren geben an, in die Arbeit im Kompetenzzentrum Weiterbildung Baden-Württemberg eingebunden zu sein. TD ist als Dozent im beschriebenen Kursformat beteiligt. Alle Autoren versichern, dass keine Interessenskonflikte bestehen.