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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Wie lässt sich die somatische Behandlungsqualität für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen in der ambulanten Versorgung durch eine neue Versorgungsform verbessern? Ergebnisse einer multizentrischen Interventionsstudie

Stefan Wilm - Heinrich-Heine-Universität, Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Deutschland
Martina Hahn - Universitätsmedizin Frankfurt, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Frankfurt, Deutschland
Andrea Icks - Heinrich-Heine-Universität, Institut für Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie, Deutschland
Frank Jacobi - Psychologische Hochschule Berlin (PHB), Klinische Psychologie und Psychotherapie, Berlin, Deutschland
Benjamin Jonas - Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung, Deutschland
Verena Leve - Heinrich-Heine-Universität, Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Deutschland
Sarah Treffert - AOK Baden-Württemberg, Geschäftsbereich Versorgungsinnovationen & sektorübergreifende Versorgungslösungen, Deutschland
Julia Katharina Wolff - IGES Institut GmbH, Evaluation & Versorgungsdesign, Deutschland; Universitätsmedizin Greifswald, Präventionsforschung und Sozialmedizin, Greifswald, Deutschland

Text

Hintergrund: Die deutliche Exzess-Mortalität von Patient:innen mit schweren psychischen Erkrankungen (SMI) ist zum größeren Teil auf somatische Ursachen zurückzuführen. Herausforderungen liegen in der somatischen Diagnostik, der Therapiekoordination und einer reduzierten Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen.

Zielsetzung/Fragestellung: Lässt sich die somatische Behandlungsqualität für Menschen mit SMI in der ambulanten Versorgung durch eine neue Versorgungsform verbessern?

Material & Methoden: PSY-KOMO (gefördert vom G-BA, FKZ 01NVF19019; Förderzeitraum 2020–2024) war eine nicht-randomisierte, prospektive Interventionsstudie mit externer gematchter Kontrollgruppe (KG): In 4 Regionen Deutschlands wurden SMI-Betroffene aus psychiatrischen Praxen und PIAs eingeschlossen und jeweils 6 Monate begleitet. PSY-KOMO setzte auf eine sektorenübergreifende Versorgung. Gesundheitsbegleiter:innen (GBs) unterstützten die Patient:innen bei der Inanspruchnahme von Versorgungs- und Präventionsleistungen im haus- und fachärztlichen Bereich. Mit KV-Abrechnungsdaten wurde primär die Verbesserung der Detektion von 10 somatischen Komorbiditäten untersucht, sekundär die Verbesserung ihrer leitliniengerechten Behandlung, von Prävention und Früherkennung. Es erfolgte eine begleitende Prozessevaluation.

Ergebnisse: In der Interventionsgruppe (IG) wurde eine signifikant höhere Zahl an somatischen Komorbiditäten entdeckt (bei 11% der IG und 6% der KG in 8 Quartalen; OR=2,08, p<,001). Patient:innen der IG nahmen signifikant mehr Untersuchungen für Prävention und Früherkennung in Anspruch. Eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine leitliniengerechte Versorgung aller vorliegenden somatischen Komorbiditäten über 4 Quartale zeigte sich dagegen nur in der Subgruppe der Patient:innen mit Borderlinestörung/Schizophrenie. Die Kooperation der PIAs mit ambulanten Ärzt:innen und in lokalen Netzwerken blieb herausfordernd. Die individuelle Gesundheitsbegleitung durch GBs war aufwändig, aber der Interventionsbaustein, der den SMI-Patient:innen am ehesten half, Barrieren im Gesundheitswesen zu überwinden.

Diskussion: Es zeigt sich ein positiver Effekt von PSY-KOMO auf die somatische Versorgung der SMI-Patient:innen. Das strukturierte somatisch-diagnostische Vorgehen der Psychiater:innen sowie die von ihnen angeregte und unterstützte niederschwellige Gesundheitsbegleitung können helfen, die Exzess-Mortalität bei SMI-Patient:innen zu senken.

Take Home Message für die Praxis: Eine sektoren- und berufsgruppenübergreifende Behandlung führte zu einer verbesserten somatischen Versorgungsqualität für Menschen mit SMI.

Interessenkonflikte: Keine