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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Latente Klassen arbeitsbezogener körperlicher (In-)Aktivität und deren Zusammenhang mit Schmerzen – Analyse einer repräsentativen Stichprobe Erwerbstätiger in Deutschland
Text
Hintergrund: Bei der Untersuchung des Zusammenhangs von arbeitsbezogener körperlicher (In-)Aktivität mit physischen und mentalen Gesundheitsoutcomes besteht die Schwierigkeit, diese körperliche Aktivität geeignet, d.h. über dichotome oder lineare Messung der Aktivität hinaus, zu operationalisieren.
Zielsetzung/Fragestellung: Ziel dieser Studie ist, latente Klassen arbeitsbezogener körperlicher (In-)Aktivität zu identifizieren und diese im Zusammenhang mit Schmerzen, als eine der Schnittstellen zwischen Physis und Psyche, zu untersuchen.
Material & Methoden: Datenbasis ist die repräsentative Stichprobe sozialversicherungspflichtig Beschäftigter in Deutschland (n = 8.397) des 2023/24 erhobenen Querschnitts der Kohortenstudie zur mentalen Gesundheit bei der Arbeit. Die arbeitsbezogene körperliche (In-)Aktivität wurde anhand von fünf Belastungsfaktoren (Sitzen, Stehen, Zwangshaltungen, Heben/Tragen von schweren Lasten und einseitige Bewegungen) in Bezug auf deren Anteile an der Arbeitszeit erfragt. Vorliegen von Schmerzen innerhalb der letzten 12 Monate wurde differenziert nach Schmerzregion (Nacken, Schultern, Handgelenke, Rücken, Knie) erhoben. Es werden latente Klassenanalysen (LCA) und gewichtete logistische Regressionen durchgeführt.
Ergebnisse: Die LCA ergab vier Klassen arbeitsbezogener körperlicher (In-)Aktivität: Sitzende Tätigkeit mit einseitiger Bewegung (46%, Sitzen), stehende Tätigkeit mit starker körperlicher Belastung (30%, Stehen+), stehende Tätigkeit mit mäßiger körperlicher Belastung (20%, Stehen) und sitzende Tätigkeit mit starker körperlicher Belastung (5%, Sitzen+). Die Prävalenzen für das Vorliegen von Schmerzen sind in den Klassen „Stehen+“ und „Sitzen+“ über alle Schmerzregionen hinweg am höchsten. Dabei unterscheiden sich die Prävalenzen signifikant zwischen den Klassen (z. B. Rückenschmerzen, χ² = 109,58, p < 0,001).
Diskussion: Die Studie leistet einen Beitrag zur Operationalisierung arbeitsbezogener körperlicher (In-)Aktivität und zur weiteren Aufklärung des Zusammenhangs von arbeitsbezogener körperlicher (In-)Aktivität und Gesundheitsoutcomes. Sie weist darauf hin, dass in Studien, die von einer Linearität arbeitsbezogener körperlicher (In-)Aktivität ausgehen, mindestens die Klasse „Sitzen+“ keine Berücksichtigung findet.
Take Home Message für die Praxis: Um Personengruppen, die eine besonders hohe Prävalenz für das Vorliegen von Schmerzen haben, in der Forschung und Prävention nicht zu vernachlässigen, sollten künftige Studien zu arbeitsbezogener körperlicher (In-)Aktivität anstatt einzelner Belastungen (In-)Aktivitätsprofile in den Blick nehmen.
Interessenkonflikte: Keine



