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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
„Real World Evidence” aus den neuen Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ)? Vom Kopf auf die Füße gestellt
Text
Hintergrund: Zu dem jüngst in Betrieb genommenen Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ), das aktuell Abrechnungsdaten aller gesetzlich Versicherten umfasst, zukünftig noch weitere umfassen soll, werden hohe Erwartungen formuliert bis hin zu einer Nutzenbewertung von Therapien ohne Studien („Real World Evidence“). Zugleich wird gerade dies auch sehr kritisch diskutiert. Nutzungsmöglichkeiten, auch im Sinne der Evidenzbasierung von Medizin und Versorgung gibt es durchaus – allerdings andere, als aktuell diskutierte.
Zielsetzung/Fragestellung: Stärkung der Evidenzbasierung in Medizin und Versorgung mit Hilfe von Untersuchungen mit FDZ-Versorgungsdaten.
Material & Methoden: Die gesetzliche Grundlage zum FDZ und aktuelle Diskussionsbeiträge werden analysiert. Es wird folgend ein Analysekonzept entwickelt, das eine adäquate Nutzung der FDZ-Daten zur Bewertung, ob und inwieweit in der Versorgung evidenzbasiert vorgegangen wird erlauben soll und am Beispiel einer, aktuell noch durch das FDZ geprüften, Untersuchung zur Diagnostik der koronaren Herzkrankheit (KHK) illustriert.
Ergebnisse: Das FDZ kann laut Gesetz u. a. der Nutzenbewertung von Arzneimitteln, Medizinprodukten, Methoden dienen. Das hier entwickelte Analysekonzept gilt dagegen der Evidenzorientierung der Versorgung: Ob die vorangehende Versorgung, diagnostischen Ergebnisse und Befunde eine Therapie begründen, ob der Vorzug einer Intervention vor einer Alternative begründet ist und ob Ergebnisse den Erwartungen entsprechen? Die exemplarische Analyse soll zunächst zwei Fragen in diesem Sinne beantworten: Ob invasiver Herzkatheter-Diagnostik bzw. perkutaner Intervention die empfohlene, nicht-invasive, funktionelle Diagnostik voranging und, bei durchgeführtem Herzkatheter, die Messung der fraktionellen Flussreserve, zur Prüfung der funktionellen Relevanz von Stenosen, eingesetzt wurde?
Diskussion: Der problematische Begriff der „Real World Evidence” kann vom Kopf auf die Füße gestellt werden: Es geht darum, zu erkennen, ob evidenzbasiert vorgegangen wird, nicht was evidenzbasiert ist. Eine solche Perspektive scheint bisher erstaunlich wenig präsent, auch wenn die Natur der Daten gerade diese nahelegt. Weichen die Versorgungsergebnisse stark vom Erwarteten ab, so kann dies auch einen kritischen Blick auf die jeweilige „Evidenzbasis“ ermöglichen – und neue Studien nahelegen.
Take Home Message für die Praxis: Die evidenzbasierte Nutzung von Versorgungsdaten bedeutet nicht die Schaffung einer Evidenzbasis für Therapien, sondern vor allem bedeutet sie, zu erkennen, ob Therapien wirklich evidenzbasiert genutzt werden?
Interessenkonflikte: Keine



