Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Wie gut sind Brustkrebspatient:innen über supportive Angebote informiert?

Saskia Blütgen - Universität zu Köln, Medizinische Fakultät und Uniklinik Köln, Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft, Lehrstuhl für Medizinsoziologie, Köln, Deutschland
Lena Ansmann - Universität zu Köln, Medizinische Fakultät und Uniklinik Köln, Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft, Lehrstuhl für Medizinsoziologie, Köln, Deutschland
Thilo Dietz - Universität zu Köln, Medizinische Fakultät und Uniklinik Köln, Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft, Lehrstuhl für Medizinsoziologie, Köln, Deutschland

Text

Hintergrund: Supportive Versorgung durch Bewegungs- und Ernährungstherapie, Psychoonkologie und Sozialdienst werden aufgrund ihrer nachgewiesenen Wirksamkeit zunehmend als Bestandteil moderner ganzheitlicher Therapiekonzepte bei Krebs angesehen und zunehmend in klinische Leitlinien aufgenommen. Um die supportiven Versorgungsbedarfe von Patient:innen systematisch zu erfassen und entsprechend Versorgungslücken schließen zu können, wurde in 2026 ein verpflichtendes Basisscreening zu den supportiven Bedarfen der Patient:innen in den Zertifizierungskatalog für OnkoZert aufgenommen.

Zielsetzung/Fragestellung: Diese Studie untersucht die wahrgenommene Informiertheit von Brustkrebspatient:innen zu diesen supportiven Angeboten mit dem Ziel organisationsbezogene Unterschiede zu identifizieren.

Material & Methoden: Es wurden Daten der EMMA-NRW Befragung des Jahres 2025 genutzt. Die Stichprobe umfasste 5.140 primäroperierte Brustkrebspatient:innen in 54 zertifizierten Brustkrebszentren (80 OP-Standorte). Die Informiertheit der Patient:innen bzgl. Bewegungs- und Ernährungstherapie, Sozialdienst sowie der Psychoonkologie wurde mittels Mehrebenen-Analyse untersucht, um Zusammenhänge zu patient:innen- (Alter, SES, Krankheitsschwere) und organisationsbezogener (Trägerschaft) Merkmalen zu explorieren.

Ergebnisse: Insgesamt gaben 65,4% der Patient:innen an, dass sie über Bewegungstherapie, 46,9% über Ernährungstherapie und 95,2% über sozialdienstliche Beratung informiert wurden. Die Varianz in der Informiertheit ist zu einem maßgeblichen Teil durch Unterschiede zwischen den OP-Standorten zu erklären: Intraklassenkorrelationskoeffizient für Bewegungstherapie 12,3%, für Ernährungstherapie 19,7% und für sozialdienstliche Beratung 22,8%.

Diskussion: Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Standorten und machen eine ausgeprägte Heterogenität vor Einführung des onkologischen Basisscreenings sichtbar, die sich in der wahrgenommenen Informiertheit der Patient:innen widerspiegelt. Inwieweit das Basisscreening langfristig heterogene Versorgungsstrukturen abbaut und einen ganzheitlichen Versorgungansatz gewährleistet bleibt offen. Patient:innen sollten sich vor allem persönlich gut informiert fühlen, um supportive Angebote auch tatsächlich für sich nutzen zu können.

Take Home Message für die Praxis: Die Informiertheit von Brustkrebspatient:innen variiert deutlich zwischen den Standorten, insbesondere bei Bewegungs- und Ernährungstherapie und dem sozialen Dienst und weist auf relevante Informations- und Versorgungsunterschiede hin, die es langfristig zu schließen gilt.

Interessenkonflikte: Keine