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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Klimawandel, subjektive Belastung und psychische Gesundheit: Ergebnisse einer Bevölkerungsstudie in Monteagudo, Bolivien
Text
Hintergrund: Der Klimawandel und verbundene extreme Wetterereignisse wirken negativ auf die Gesundheit. Die meisten empirischen Studien dazu basieren auf aggregierten Daten, individuelle Auswirkungen werden selten erfasst. Das Verständnis dieser Zusammenhänge bleibt somit begrenzt. Auch in Deutschland nehmen extreme Wetterereignisse zu; Bolivien dient als Beispiel einer fortgeschrittenen Entwicklung.
Zielsetzung/Fragestellung: Ziel ist es, die Auswirkungen des Klimawandels auf die psychische Gesundheit zu untersuchen und eine Grundlage für die Bewertung primärversorgungsrelevanter Belastungen zu liefern. Untersucht werden Zusammenhänge zwischen individueller Belastung, Beanspruchung und psychischer Gesundheit.
Material & Methoden: 485 Personen aus Monteagudo (Bolivien) und Umgebung wurden befragt. Je Gesundheitszentrum wurden 10% der Haushalte zufällig ausgewählt. Eingesetzt wurden 14 Fragen zur Belastung und Beanspruchung durch den Klimawandel sowie PHQ-9 (Depressivität) und GAD-7 (Ängstlichkeit). Die Auswertung erfolgte mittels Strukturgleichungsmodell.
Ergebnisse: Die Befragten waren im Mittel 52,3 Jahre alt (SD=18,2; 65,4% weiblich; 56,5% ländlich). 6,8% wiesen auffällige Angstwerte und 11,8% auffällige Depressivitätswerte auf. Die wahrgenommene Belastung (M=31,7; SD=19,5) und Beanspruchung (M=32,5; SD=21,1) lagen im mittleren Bereich (0–70). In einem Strukturgleichungsmodell zeigte sich ein signifikanter indirekter Effekt der Beanspruchung auf die Ängstlichkeit (p=0,006), vermittelt über die Belastung. Die ländliche Bevölkerung war signifikant stärker betroffen (p=0,006). Für Depressivität zeigten sich keine Effekte.
Diskussion: Beanspruchung und Belastung durch den Klimawandel sind mit erhöhter Ängstlichkeit assoziiert. Sie stellen bislang wenig erfasste Dimensionen dar. Kausalität kann aufgrund des Designs nur vermutet werden. Die Landbevölkerung war stärker betroffen als die städtische Bevölkerung und sollte daher in Prävention und Versorgung besonders berücksichtigt werden. Ergänzende qualitative Aussagen legen nahe, dass besonders die Zerstörung der Lebensgrundlage negativ auf die psychische Gesundheit der Landbevölkerung wirkt. Für Deutschland gewinnen die Befunde an Relevanz. Forschung sollte individuelle Auswirkungen systematisch erfassen, um diese in der Primärversorgung zu adressieren.
Take Home Message für die Praxis: Die Belastung durch den Klimawandel ist mit Ängstlichkeit assoziiert und somit relevant für die Primärversorgung.
Die Landbevölkerung ist besonders betroffen.
Die Vernichtung der Lebensgrundlage ist zentraler Mechanismus psychischer Belastung.
Interessenkonflikte: M. J. Koch, J. Zirkel und S. Parisi sind Mitglieder der German Alliance for Global Health Research (GLOHRA). Die Studie ist Teil des Projekts "Corazón en acción" und wurde durch das Förderprogramm "Klinikpartnerschaften" der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) finanziert. Die Förderinstitution hatte keinen Einfluss auf Studiendesign, Datenauswertung oder Interpretation der Ergebnisse. Es bestehen keine weiteren Interessenkonflikte.



