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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Der Einfluss von Interaktionen zwischen der psychosozialen Situation und der Umgebungstemperatur auf die gesundheitlichen Folgen von Hitze bei Patienten mit chronischen Krankheiten: Ergebnisse aus der CLIMATE-II-Kohortenstudie

Ingmar Schäfer - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
Julia Nothacker - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
Agata Menzel - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
Dagmar Lühmann - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
Martin Scherer - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
Valentina Paucke - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Menschen mit chronischen Erkrankungen können durch Hitze in ihrer Gesundheit beeinträchtigt werden. Eine Anpassung des Gesundheitsverhaltens könnte diese Folgen abmildern, aber die Effekte sind vermutlich begrenzt und hängen vom Kontext ab. Daher sind auch andere Strategien erforderlich, wie z.B. psychosoziale Interventionen.

Zielsetzung/Fragestellung: In unserer Studie wurde untersucht, ob Selbstwirksamkeit, soziale Unterstützung, Gesundheitskompetenz, Risikoerwartungen und somatosensorische Amplifikation mit der Symptombelastung an heißen Tagen zusammenhängen.

Material & Methoden: Es wurde eine Kohortenstudie auf Grundlage von Daten aus Wettermessstationen und einer Online-Befragung von Patienten mit chronischen Erkrankungen durchgeführt. Eine Exposition von 27°C oder weniger wurde als „keine Hitze“, >27°C bis 32°C als „leichte Hitze“ und >32°C bis 40°C als „moderate Hitze“ definiert. Endpunkt der Analysen waren Einschränkungen in den alltäglichen Aktivitäten aufgrund von 14 spezifischen Symptomen. Die Daten wurden in einem Random-Intercept-Modell mittels multivariabler linearer Regression ausgewertet. Interaktionen mit Hitze wurden über einen Vergleich des 25%- mit dem 75%-Perzentil in den psychosozialen Variablen dargestellt.

Ergebnisse: Der Datensatz umfasste 4.434 Beobachtungen von 509 Personen mit einer Teilnahmequote von 28,1%. Das Durchschnittsalter betrug 61,2±13,7 Jahre und 240 Teilnehmer (47,2%) waren weiblich. Bei leichter Hitze war die Symptomlast um durchschnittlich 1.07 Punkte (p<0,001) und bei moderater Hitze um 1.51 Punkte (p<0,001) erhöht. Bei allen psychosozialen Variablen wurde eine statistische Interaktion mit Hitze gefunden (p=0,041 bis p<0,001). Dabei zeigte sich bei Personen mit schlechterer psychosozialer Situation ein deutlich stärkerer Effekt von leichter (1.13 bis 1.32, p<0,001) und moderater Hitze (1.66 bis 1.98, p<0,001) als bei Personen, die in diesen Variable bessergestellt waren (leichte Hitze: 0.84 bis 0.94, p<0,001 bzw. moderate Hitze: 1.09 bis 1.25, p<0,001).

Diskussion: Vulnerable Patienten sollten realistisch über gesundheitliche Folgen von Hitze informiert und unterrichtet werden, dass Auswirkungen von Hitze durch eigene Anstrengungen verringert werden können. Darüber hinaus könnten z.B. Schulungen in der Gesundheitskompetenz hilfreich sein.

Take Home Message für die Praxis: Gesundheitskompetenz, Selbstwirksamkeit und soziale Unterstützung milderten gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Hitze ab, während negative Erwartungen und die Tendenz, harmlose Körperempfindungen als bedrohlich zu interpretieren, sie verstärkten.

Interessenkonflikte: Keine