20. Internationales SkillsLab Symposium 2026
20. Internationales SkillsLab Symposium 2026
Vom virtuellen Probelauf zum echten Gespräch: KI-unterstützte Avatare als Vorbereitung auf Kommunikationstrainings mit SPs
Text
Einleitung: Kommunikationstrainings mit Simulationspersonen (SP) sind seit vielen Jahren ein fester Bestandteil der Aus- und Weiterbildung in Gesundheitsberufen. Sie ermöglichen Studierenden, realitätsnahe Patientengespräche sowie anspruchsvolle Kommunikationssituationen mit Angehörigen oder interprofessionellen Akteuren zu erproben und reflektieren. Trotz ihres hohen didaktischen Wertes besteht häufig der Wunsch der Studierenden, sich gezielt auf diese Trainings vorzubereiten. Bisher fehlten jedoch niederschwellige, flexible und realitätsnahe Vorbereitungsmöglichkeiten. Zur Schliessung dieser Lücke werden am Berner Bildungszentrum Pflege KI-gestützte Avatare als vorbereitendes Trainingsinstrument eingesetzt.
Methode: Im Rahmen des Pilotprojekts wurden bestehende Kommunikationsszenarien mit SPs für KI-Avatare angepasst und mittels gezielter Prompts umgesetzt. Die Studierenden hatten vor den eigentlichen Interaktionen mit Simulationspersonen die Möglichkeit, Patientengespräche mit einem KI-gesteuerten Avatar zu üben. Dabei wird XARA benutzt. XARA wurde an der Universität St. Gallen entwickelt und simuliert realistische Gespräche mit Hilfe von GPT-4. Der Zugang erfolgt entweder über eine VR/AR-Brille oder über ein Smartphone, wodurch ein orts- und zeitunabhängiges Training ermöglicht wird. Ergänzend kommt ein Avatar-Coach zum Einsatz, der auf Basis vordefinierter Lernziele ein strukturiertes interaktives Feedback zur Gesprächsführung gibt. Besonderer Wert wurde auf die Kohärenz zwischen Aufgabenstellung, Gesprächsverlauf und Feedback gelegt. Zusätzlich wurde ein elektronisches Gesprächsprotokoll erstellt, das sowohl die Interaktion als auch die Rückmeldungen Wort für Wort dokumentiert. Insgesamt nahmen 70 Studierende an den Vorbereitungstrainings mit den KI-Avataren teil. Die Evaluation erfolgte mittels eines standardisierten Fragebogens zu Erfahrungen, Akzeptanz und wahrgenommenem Lernerfolg.
Resultate: Die Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der Studierenden den Einsatz der KI-Avatare positiv bewertet. Besonders wurde geschätzt, Gespräche vor und/oder nach den SP-Trainings eigenständig üben oder vertiefen zu können. Die Avatare wurden als hilfreiche Möglichkeit wahrgenommen, Patientengespräche in einem ersten, risikoarmen Schritt zu trainieren und kommunikative Sicherheit aufzubauen.
Schlussfolgerung: Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Kombination aus KI-gestützten Avataren und klassischen Kommunikationstrainings mit Simulationspersonen eine sinnvolle didaktische Ergänzung darstellt. KI-Avatare können die Vorbereitung und Nachbereitung von Trainings unterstützen, ersetzen jedoch nicht die Interaktion mit realen Simulationspersonen.
Ausblick: Durch die Didaktisierung der akkuraten Gesprächsprotokolle sowie die Weiterentwicklung von VR/AR-Technologien und Avataren, lassen sich künftig Lernumgebungen schaffen, die praxisnah, interaktiv und individuell adaptierbar sind. So kann die Lehre gezielter unterstützt und Lernerfahrungen effektiver gestaltet werden.
Interessenkonflikte: Die Autor*innen erklären, dass sie keine Interessenkonflikte in Zusammenhang mit diesem Artikel haben.
Literatur
[1] Janssen E, McLagan R, Habeck J, Chung SY, McArthur EC, Anderson P. Barriers to breakthroughs: A scoping review of generative AI in healthcare simulation. Clin Simul Nurs. 2025;107:101791. DOI: 10.1016/j.ecns.2025.101791[2] Schlegel, C, Weber U. Neue Ansätze in der Ausbildung von Gesundheitsberufen: Der Einsatz von Avataren zur Förderung kommunikativer Kompetenzen. Innovation Schrittmacherin. 2025;1:10.
[3] Stoco JB, Araújo JV, Peres AT, Oliveira GP, Peres GB. Simulating Physician-Patient Interactions Using Generative Artificial Intelligence: An Educational Tool for Medical Students. Cureus J Comput Sci. 2025;2:es44389-025-10532-y. DOI: 10.7759/s44389-025-10532-y



