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38. Internationaler Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgie (DOC)


18.-20.06.2026
Nürnberg

Meeting Abstract

Einfluss der Ätiologie und Mikrobiologie auf die chirurgische Komplexität der Keratoplastik à chaud

Viola Katharina Merk - Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum des Saarlands, Homburg
Loay Daas - Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum des Saarlands, Homburg
Berthold Seitz - Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum des Saarlands, Homburg
Tim Berger - Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum des Saarlands, Homburg

Text

Zielsetzung: Die Keratoplastik (KPL) à chaud stellt eine relevante notfallmäßige chirurgische Intervention dar. Die zugrundeliegenden Ursachen sind heterogen und umfassen sowohl infektiöse als auch nicht-infektiöse, insbesondere neurotrophe Pathomechanismen. Ziel dieser Studie war es, den Einfluss von Ätiologie und mikrobiologischen Befunden auf die chirurgische Komplexität darzustellen.

Methode: Retrospektive Analyse von 132 Augen, die im Jahr 2025 in der Augenklinik am Universitätsklinikum des Saarlandes eine KPL à chaud erhalten haben. Die Ätiologie wurde in infektiöse, neurotrophe inkl. rheumatische/expositionelle und kombinierte Genese klassifiziert. Es erfolgte eine Auswertung der intraoperativen Daten, der mikrobiologischen Befunde und Assoziation zu Vorerkrankungen.

Ergebnis: Die häufigste Indikation für eine KPL à chaud war eine infektiöse Genese (47,7%). Die Transplantatgröße war bei infektiöser Ätiologie signifikant größer als bei neurotrophen Ursachen (8,5±1,1 vs 7,8±1,5 mm, p < 0,01). Mikrobiologisch fanden sich mykotische Erreger in 30,6%, bakterielle in 27,4%, Akanthamöben in 6,5% und gemischte Infektionen in 16,1%. In allen Fällen wurden Einzelknüpfnähte verwendet, je nach Transplantatdurchmesser 24 bis 32. In 20,6% erfolgte bei Endophthalmitis eine Keratoplastik mit simultaner Vitrektomie. Eine intraoperative Medikamenteneingabe wurde in 77,7%, eine Exokryokoagulation der Hornhaut in 7,9% durchgeführt. Die neurotrophe Genese (27,7%) war signifikant häufiger mit Perforationen (38,9%, p < 0,01), einem höheren Alter, einer erhöhten Anzahl vorangegangener Keratoplastiken sowie einem komplizierten postoperativen Verlauf (definiert als Re-KPL, Wundheilungsstörung, Einschmelzung) assoziiert. Häufige Ursachen waren herpetische (44,4%), rheumatologische (22,2%) und expositionelle Grunderkrankungen (16,6%). In 30% der KPLs erfolgte eine simultane Tarsorrhaphie und/oder Amnionmembrantransplantation. Eine gemischt neurotroph-infektiöse Genese lag in 22,7% vor.

Schlussfolgerung: Die Ätiologie bestimmt maßgeblich die chirurgische Komplexität bei der KPL à chaud. Infektiöse Ursachen erfordern größere Transplantate und gegebenenfalls eskalative Maßnahmen wie eine simultane Vitrektomie. Neurotrophe Erkrankungen sind mit einer erhöhten Anzahl an Voroperationen und postoperativer Komplikationsrate assoziiert. Ein möglichst kleines Transplantat sowie adjuvante Maßnahmen wie eine simultane Amnionmembrantransplantation oder Tarsorrhaphie zur Stabilisierung der okulären Oberfläche sind hier sinnvoll. 24 bis 32 Einzelknüpfnähte stellen ein zuverlässiges Standardverfahren für die KPL à chaud dar.