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38. Internationaler Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgie (DOC)


18.-20.06.2026
Nürnberg

Meeting Abstract

Indikationen und Risikofaktoren für den Intraokularlinsenaustausch: Eine Dekadenanalyse von 1.290 konsekutiven Fällen (2015–2025)

Hamza Karmane - Klinik für Augenheilkunde, St. Johannes Hospital, Dortmund
Sofia Fili - Klinik für Augenheilkunde, St. Johannes Hospital, Dortmund
Markus Kohlhaas - Klinik für Augenheilkunde, St. Johannes Hospital, Dortmund

Text

Zielsetzung: Untersuchung der klinischen Indikationen für einen Intraokularlinsenaustausch (IOL-Exchange) über einen Zeitraum von zehn Jahren an einem tertiären Referenzzentrum sowie Identifizierung unabhängiger chirurgischer und metabolischer Prädiktoren für ein IOL-Versagen.

Methode: Retrospektive Analyse von 1.290 konsekutiven IOL-Explantationen (1.155 Patienten). Analysiert wurde das „Explantationsintervall“ (Monate zwischen Implantation und Austausch) in verschiedenen Subgruppen: Pseudoexfoliationssyndrom (PEX), Glaukom, Diabetes mellitus sowie Voroperationen wie DMEK oder Pars-plana-Vitrektomie (PPV). Die statistische Auswertung erfolgte mittels multivariater logistischer Regression und Kaplan-Meier-Überlebenskurven.

Ergebnis: Die führende Indikation für einen Austausch war die IOL-Luxation (63,0%), gefolgt von der IOL-Trübung (29,3%).

  • Mechanisches Versagen: PEX war der stärkste Prädiktor für eine Spätluxation (OR 7,17; p < 0,001), mit einem signifikant längeren medianen Überleben im Vergleich zu Nicht-PEX-Fällen (123 vs. 94 Monate).
  • Materialversagen: Vorherige DMEK (84 Monate) und PPV (72 Monate) beschleunigten die Trübung signifikant gegenüber dem Baseline-Wert (108 Monate, p = 0,004).
  • Polymer-Resilienz: In einer verifizierten Unteranalyse versagten hydrophile Linsen nach DMEK nach median 30,0 Monaten, während hydrophobe Linsen ein funktionelles Überleben von 109,0 Monaten aufwiesen (p < 0,001).
  • Metabolische Faktoren: Diabetes mellitus fungierte als unabhängiger Katalysator und verkürzte das trübungsfreie Intervall um 17 Monate (p = 0,046). Ein jüngeres Patientenalter korrelierte ebenfalls mit einer schnelleren Materialdegeneration (p = 0,003).

Schlussfolgerung: Das Paradigma des IOL-Austauschs verschiebt sich von rein mechanischen Ursachen hin zu beschleunigten materialbedingten Komplikationen, die durch moderne chirurgische Interventionen (DMEK, PPV) und systemische Stoffwechselzustände getriggert werden. Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer patientenspezifischen Materialwahl – insbesondere die Verwendung hydrophober Polymere bei Patienten mit hoher Wahrscheinlichkeit für spätere lamelläre oder vitreoretinale Eingriffe –, um die langfristige IOL-Stabilität zu gewährleisten.