38. Internationaler Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgie (DOC)
38. Internationaler Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgie (DOC)
Umweltbilanz und Nachhaltigkeit von intravitrealen Injektionen
Text
Zielsetzung: Bei der Therapie mit intravitrealen Injektionen kommt es durch engmaschige Kontrollintervalle zu einem hohen Aufkommen an Patientenmobilität und zurückgelegten Wegstrecken, welche Treibhausgasemissionen verursachen. Länger wirksame Medikamente können zu einer geringeren Injektionsfrequenz führen und so relevante ökologische Unterschiede bedingen. Wir untersuchen die Umweltbilanz unterschiedlicher Behandlungsstrategien und vergleichen die Therapien von Bevacizumab und Faricimab.
Methode: In einer retrospektiven Analyse werten wir Behandlungsdaten von Patienten im Zeitraum von Oktober 2023 bis Oktober 2025 aus. Insgesamt 53 Fälle werden eingeschlossen, in der Faricimab-Gruppe n=28 und in der Bevacizumab-Gruppe n=25. Erfasst werden die Anzahl der jährlichen Arztkontakte, Injektionsintervalle und zurückgelegte Wegstrecken. Resultierende Emissionen wie Treibhausgase, Stickoxide und Feinstaubbelastung werden berechnet.
Ergebnis: Das mittlere Injektionsintervall beträgt 59,5 Tage in der Faricimab-Gruppe und 55,4 Tage in der Bevacizumab-Gruppe. Dies führt zu einer geringeren jährlichen Frequenz an Arztbesuchen unter Faricimab-Therapie (12,3) als unter Bevacizumab-Therapie (13,2). Pro Patient kann die jährliche Wegstrecke um 44,3 km reduziert werden, was zu einer Einsparung von 535,7 kg Treibhausgasen, 0,738 kg Stickoxiden und 0,03 kg Feinstaub führt. Dies verringert die Umweltkosten um 29,46 € pro Patient bei einem Preis von 55,00 € pro Tonne CO2-Äquivalent.
Schlussfolgerung: Im Positionspapier der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft und des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands wurde bereits 2023 festgelegt, dass die durch medizinische Maßnahmen bedingten Anfahrtswege minimiert werden sollen, ohne dabei Einbußen in der Versorgungsqualität zu riskieren. Unsere Daten zeigen, dass die Auswahl der Medikation die Umweltbilanz intravitrealer Injektionen beeinflusst. Länger wirksame Substanzen wie Faricimab können zu einer messbaren Verringerung der Treibhausgasemissionen beitragen.



