Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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Postoperatives Delir ist assoziiert mit einer Thrombozyten-Dysfunktion bei geriatrischen Patienten nach Hüftfraktur
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Zielsetzung und Fragestellung: Postoperatives Delir ist eine häufige Komplikation nach operativer Hüftfrakturversorgung bei älteren Patienten und ist mit längerer Hospitalisationsdauer, erhöhter Morbidität und Mortalität verbunden. Neuroinflammation gilt momentan als zentraler pathophysiologischer Mechanismus für Delir, trotzdem fehlt es an zuverlässigen Biomarkern für Suszeptibilität oder Verlauf. Thrombozyten werden, neben ihrer hämostatischen Funktion, zunehmend auch als Immunmodulatoren identifiziert. Rotational Thrombelastometry (ROTEM®) ermöglicht eine funktionelle Beurteilung dieser Zellen und kann perioperative Veränderungen widerspiegeln. Wir stellten die Hypothese auf, dass eine Veränderung der mittels ROTEM® bestimmten Maximum Clot Firmness (MCF) mit dem Auftreten und Verlauf eines postoperativen Delirs nach Hüftfraktur assoziiert ist.
Material und Methoden: In einer prospektiven Studie wurden 90 Patienten im Alter von ≥55 Jahren mit operativ versorgter Hüftfraktur untersucht. Sie wurden täglich mittels der Confusion Assessment Method (CAM) auf ein postoperatives Delir geprüft. Außerdem erfolgte bei Aufnahme, sowie am postoperativen Tag 1, 3 und 7 eine Blutentnahme. Die spezifische Thrombozytenfunktion wurde mittels ROTEM® erhoben, indem die MCF durch Subtraktion der FIBTEM- von den EXTEM-Werten ermittelt wurde. Die Ergebnisse wurden mit Laborparametern aus dem klinischen Informationssystem und postoperativen Outcomes korreliert. Statistische Analysen in SPSS verglichen die ROTEM®-Parameter und klinischen Variablen zwischen den Patientengruppen mit und ohne Delir sowie im zeitlichen Verlauf.
Ergebnisse: Longitudinale Analysen demonstrierten erniedrigte MCF-Werte nach Operation mit einem signifikanten Abfall am dritten Tag. Dieser war bei Patienten mit postoperativem Delir noch ausgeprägter (p=0,016) und wurde nicht durch Alter, Geschlecht und Plättchenhemmung beeinflusst. Zum siebten Tag stieg die MCF in beiden Gruppen wieder an. Aufgrund eines erhöhten Anstiegs erreichten jedoch nur die Patienten mit Delir wieder ihre präoperativen Ausgangswerte, während dies bei Patienten ohne Delir nicht der Fall war (p=0,146; p=0,02). Die absolute Thrombozytenzahl unterschied sich zu keinem Zeitpunkt signifikant zwischen den Gruppen.
Diskussion und Schlussfolgerung: Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass eine dysregulierte postoperative Gerinnungsleistung mit der Entwicklung eines Delirs nach Hüftfraktur assoziiert ist, unabhängig von der Thrombozytenzahl. Eine im ROTEM® verminderte MCF könnte als funktioneller Biomarker dienen und somit nicht nur ein reines Blutungsrisiko, sondern auch eine postoperative inflammatorische Dysregulation widerspiegeln. Zukünftige Studien könnten die MCF auch als prädiktiven Biomarker für das postoperative Delir validieren und die genauen Zusammenhänge zwischen Thrombozytenfunktion, Gerinnungsdynamik und Neuroinflammation in dieser vulnerablen Patientengruppe weiter aufklären.



