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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Doctor, when can I drive? Biomechanische Kompensationsmechanismen bei immobilisiertem Schultergelenk – eine prospektive Probandenstudie am Fahrsimulator

Felix Lakomek - Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinik Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
Erik Schiffner - Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinik Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
Falk Hilsmann - Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinik Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
Sebastian Gehrmann - Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Karl-Leisner-Klinikum Kleve, Kleve, Deutschland
Dominique Schöps - Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinik Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
Max Prost - Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinik Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
Roman Taday - Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinik Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
Carl Neuerburg - Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinik Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
David Latz - Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinik Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Die Fahrtüchtigkeit kann durch Verletzungen oder Erkrankungen des Bewegungsapparates eingeschränkt sein. Inwieweit die Einschränkung der Beweglichkeit eines Gelenkes zu einer Dekompensation von Bewegungsabläufen führt, ist noch nicht vollständig verstanden. Diese Studie untersucht daher, inwieweit eine Bewegungseinschränkung der Schulter die Fahrtüchtigkeit beeinflusst und welche Kompensationsmechanismen der angrenzenden Gelenke auftreten.

Material und Methoden: In dieser prospektiven Studie wurde untersucht, wie sich die Ruhigstellung der rechten Schulter mit einer Schulterorthese auf das (I.) Fahrverhalten (Gangwechsel, Spurhalten, Geschwindigkeit) auswirkt. Gleichzeitig wurden die (II.) Bewegungsmuster der oberen Extremität und des Rumpfes analysiert. Zwanzig gesunde Teilnehmer nahmen an der Fahrsimulator-basierten Untersuchung teil und führten verschiedene Fahraufgaben mit und ohne Schulterorthese durch. Dazu wurde ein Ganzkörper-Motion-Capturing-System verwendet, um die Gelenkbewegungen zu messen. In drei Manövern (Gangwechsel, Linksabbiegen, Rechtsabbiegen) wurden sowohl das Fahrverhalten als auch die Bewegungsmuster analysiert.

Ergebnisse: In Bezug auf das (I.) Fahrverhalten konnte bei den Probanden (12 Männer, 8 Frauen, Durchschnittsalter 28,32 ± 3,18 Jahre) eine signifikante Abweichung von der Fahrbahnmitte nach links beim Schaltvorgang und bei Rechtskurven (Verschiebung des Mittelwerts: -0,49 Meter (m) ±0,10 gegenüber -0,7 m ±0,10, p=0,05) beobachtet werden. In Bezug auf die (II.) Bewegungsabläufe kam es zu einer signifikanten Zunahme der Supination des rechten Unterarms (Mittelwert: 99,60° ±4,43 vs. 73,04° ±4,32, p=0,00) und zu einer signifikanten Abnahme der Dorsalflexion des Handgelenks (Mittelwert: 31,02° vs. 23,62°, p=0,01). Gleichzeitig kam es zu einer signifikanten Zunahme der Flexion des linken Ellenbogens (Mittelwert: 49,10° ±3,53 vs. 58,15° ±2,95, p=0,01). Zusätzlich kam es zu einer signifikanten Zunahme der Hüftbeugung beidseits (Mittelwert: links 43,62° vs. 39,30°, p=0,00; rechts 40,67° vs. 34,19°, p=0,00).

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Ruhigstellung der rechten Schulter zeigt einen Einfluss auf das Fahrverhalten mit signifikanter Abweichung der Probanden von der Fahrbahnmitte. Auf Grundlage der biomechanischen Daten können sowohl an der ruhiggestellten Seite als auch auf der Gegenseite Kompensationsmechanismen erkannt werden, jedoch scheinen die benachbarten Gelenke die eingeschränkte Beweglichkeit der rechten Schulter nicht vollständig ausgleichen zu können. Diesbezüglich wurden signifikante Veränderungen im Bewegungsumfang des rechten Unterarmes, des linken Ellenbogens und der Rumpfhaltung beobachtet. Auf Grundlage dieser Ergebnisse, insbesondere der beschriebenen Veränderungen des Fahrverhaltens, ist das Fahren mit einer Schulterorthese nicht empfohlen.