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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Die Wertigkeit der rekonstruktiven Reihenfolge bei multiligamentärer Knieinstabilität – eine biomechanische Studie

Adrian Deichsel - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Moritz Bäumken - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Moritz Martinovic - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Klemens Horst - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Christian Peez - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Lucas Palma Kries - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Elmar Herbst - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Christoph Kittl - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Ziel dieser Studie war es den Einfluss der Rekonstruktionsreihenfolge des vorderen Kreuzbandes (VKB), hinteren Kreuzbandes (HKB) und des posteromedialen Komplexes (PMC) auf die postoperativen Kniegelenkskinematiken zu untersuchen. Es wurde vermutet, dass diese durch die Reihenfolge der jeweilien Rekonstruktion signifikant beeinflusst werden.

Material und Methoden: In einem biomechanischen Knie-Rig mit sechs Freiheitsgraden wurden acht humane Köprerspender:innen Knieglenke getestet. Unter 100 N axialer Kompression erfolgte in je 0°, 30°, 60° und 90° Flexion das folgende Testprotokoll: Anteriore/posteriore tibiale Translation (ATT/PTT) mit 89 N, Innenrotation (IR)/Außenrotation (AR) mit jeweils 5 Nm, sowie Varus (VR)/Valgus (VL) mit 8 Nm. Die Erfassung der Kniegelenkskinematiken erfolgte mittels stereooptischem Testsystem (ARAMIS, GOM GmbH). Nach Erfassung der nativen Kinematiken erfolgte die Durchtrennung von VKB, HKB, sowie PMC (Innenband (MCL) + hinteres Schrägband (POL)), zur Simulation einer Multiligamentverletzung (Typ Schenck IIIM). Im Anschluss erfolgte die VKB/HKB-Refixation, sowie die mediale Rekonstruktion mittels kombinierter MCL/POL-Rekonstruktion mit freiem Semitendinosus-Autograft. Die Rekonstruktionen wurden mittels Rekonstruktionsspannern angespannt, welche über eine Kraftzelle die Last auf den Rekonstruktionen erfassen können. Es erfolgte die Evaluation der folgenden Anspannreihenfolgen: VKB-HKB-MCL (Reihenfolge 1, R1); HKB-VKB-MCL (Reihenfolge 2, R2); MCL-VKB-HKB (Reihenfolge 3, R3); MCL-HKB-VKB (Reihenfolge 4, R4). Der statistische Vergleich der Anspannreihenfolgen gegen den nativen Zustand (NZ) erfolgte mittels gemischter linearer Modelle.

Ergebnisse: R1 (VKB-HKB-MCL) zeigte gegenüber dem NZ eine signifikant verringerte ATT von 0° - 60° mit Überkorrektur bis zu 4 mm. R2 (HKB-VKB-MCL) zeigte eine signifikant verringerte ATT in 0° – 30° mit Überkorrektur bis zu 2,4 mm. Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen R3 und R4 zum NZ. Für die PTT zeigte R1 eine signifikant erhöhte PTT in 0° und 30° mit residualer Instabilität nach Rekonstruktion bis zu 2,1 mm. Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen R2-4 zum NZ.R1 zeigte eine signifikant verringerte IR in 30° + 60° mit Überkorrektur bis zu 6,7°. Des Weiteren zeigten R3 (7,8°) und R4 (4,1°) eine signifikant verringerte IR in 30°. Für die AR zeigten alle Anspannreihenfolgen eine signifikant erhöhte AR in 60° und 90° mit residualer AR bis zu 6°. Für den Valgus zeigten alle Anspannreihenfolgen einen signifikant erhöhten Valgus in 0° mit residualer Instabilität bis zu 1,6°. Des Weiteren zeigte R2 einen signifikant erhöhten Valgus in 30° mit residueller Instabilität von 2,5°. Keine signifikanten Einflüsse der Anspannreihenfolgen wurden im Varus beobachtet.

Diskussion und Schlussfolgerung: Bei multiligamentären Rekonstruktionen im Rahmen von Schenck IIIM Verletzungen scheint die Anspannreihenfolge HKB-VKB-MCL am vorteilhaftesten, wobei die Unterschiede zwischen den einzelnen Reihenfolgen klein sind.