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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Management implantatassoziierter Infektionen nach hoher tibialer Umstellungsosteotomie

Tobias Resch - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, TUM Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München, Deutschland; Sektion Sportorthopädie, TUM Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München, Deutschland
Julius Watrinet - Sektion Sportorthopädie, TUM Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München, Deutschland
Armin Runer - Sektion Sportorthopädie, TUM Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München, Deutschland
Sebastian Siebenlist - Sektion Sportorthopädie, TUM Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München, Deutschland
Lukas Willinger - Sektion Sportorthopädie, TUM Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Nach hoher tibialer Umstellungsosteotomie (HTO) werden Infektionsraten von bis zu 4,7% für tiefe, revisionspflichtige Infektionen berichtet. Im Gegensatz zu periprothetischen und frakturassoziierten Infektionen fehlen evidenzbasierte Behandlungskonzepte. Ziel war die Analyse von Infektionsmanagement, klinischen Ergebnissen und Risikofaktoren für Infektrezidive.

Material und Methoden: In einer retrospektiven Fallserie wurden alle revisionspflichtigen postoperativen Infektionen nach HTO an einem High-volume-Zentrum von 2012 bis 2024 untersucht. Analysiert wurden Patienten- und Operationsdaten, klinische Präsentation, Therapie und Outcome mit Fokus auf Infektrezidive.

Ergebnisse: 16 Fälle wurden mit einem Follow-up von 14,5 ± 12,5 Monaten analysiert (siehe Tabelle 1 [Tab. 1] und 2 [Tab. 2]). Postoperative Infekte traten im Median 6 Wochen (1-40) nach HTO auf. Klinische Zeichen waren Schwellung, Rötung und Überwärmung (75%), oberflächliche Wundheilungsstörungen (12%) und Fistelbildung (12%). Fieber trat bei 31% auf, erhöhte Leukozyten bei 25% und CRP bei 75% der Patienten. Pro Patient waren median 3 Revisionsoperationen (1–5) nötig. Bei 2 Patienten (12%) konnte das Implantat bei knöcherner Konsolidierung frühzeitig entfernt werden, gefolgt von geplanten Débridements. 2 Patienten (12%) erhielten ein Repeated-DAIR (Débridement, Antibiotherapie, Implantaterhalt) mit 3–5 Débridements und temporärer VAC-Anlage. Ein Implantatwechsel erfolgte in 9 Fällen (56%), meist mit Débridement vor oder nach dem Wechsel, in 2 Fällen war zusätzlich eine temporäre VAC-Anlage erforderlich. Bei einem Patienten (6%) erfolgte nach geplanter Implantatentfernung und 3 weiteren Revisionen eine Re-Osteosynthese, bei 2 Patienten (12%) wurde nach Implantatentfernung und 2–4 Débridements die Anlage eines externen Fixateurs nötig. Häufigster Erreger war Staphylococcus aureus (62%), gefolgt von Staphylococcus epidermidis (12%). Polymikrobielle Infektionen und kultur-negative Infekte traten jeweils in 12% auf. Im Median dauerte die intravenöse Antibiotikatherapie 14 Tage (5–45), gefolgt von 56 Tagen oraler Therapie (25–71). Der mediane stationäre Aufenthalt betrug 17 Tage (7–48). In 4 Fällen (25%) kam es zu Infektrezidiven. Bei einem Patienten trat die Infektion nach DAIR erneut auf und konnte durch ein weiteres DAIR kontrolliert werden. Nach Implantatwechsel traten 3 weitere Rezidive auf: 2 Patienten wurden mit Débridement und Implantatentfernung behandelt und bis zur Knochenheilung ruhiggestellt, 1 Patient erforderte 7 weitere Revisionen inklusive Implantatentfernung und anschließender Re-Osteosynthese im Verlauf. Nach abgeschlossener Therapie wurde keine infektbedingte Non-Union festgestellt.

Tabelle 1

Tabelle 2

Diskussion und Schlussfolgerung: Implantatassoziierte Infektionen nach HTO sind schwere Komplikationen mit langen stationären Aufenthalten, oft mehreren Revisionen und prolongierter Antibiotikatherapie. Therapieentscheidungen sollten interdisziplinär unter Berücksichtigung von Infektionszeitpunkt, knöcherner Konsolidierung, Weichteilstatus, Erregersprektrum und Patientenfaktoren erfolgen.