Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Signifikante Reduktion falsch-negativer Infraspinatus (ISP) Befunde durch eine ISP zentrierte MRT-Sequenz (ISPS) – eine diagnostische Genauigkeitsanalyse mit arthroskopischer Referenz
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Zielsetzung und Fragestellung: Die präoperative Charakterisierung von Rotatorenmanschettenläsionen ist entscheidend für Indikationsstellung und operative Strategie. Während die MRT als Goldstandard gilt, werden insbesondere Läsionen des M. infraspinatus (ISP) und M. subscapularis (SSC) häufig unterschätzt. Ziel dieser Studie war es, die diagnostische Genauigkeit einer infraspinatuszentrierten MRT-Sequenz (ISPS) im Vergleich zu einem Standardprotokoll (SPSS) unter Verwendung der Arthroskopie als Referenzstandard zu evaluieren.
Material und Methoden: In diese retrospektive monozentrische Studie wurden 94 Patienten eingeschlossen, die zwischen Mai 2019 und März 2024 eine arthroskopische Rotatorenmanschettenrekonstruktion erhielten. Präoperativ erfolgte bei allen Patienten eine MRT mit Standardsequenz (SPSS) sowie zusätzlicher infraspinatusoptimierter Sequenz (ISPS). Für jede Sehne wurden Sensitivität, Spezifität, positiver (PPV) und negativer prädiktiver Wert (NPV) berechnet. Die diagnostische Übereinstimmung zwischen MRT und Arthroskopie wurde mittels quadratisch gewichteter Cohen’s-Kappa-Statistik bestimmt. Die „Complete-Miss-Rate“ (arthroskopisch gesicherte Läsion fälschlich als intakt klassifiziert) wurde mittels McNemar-Test verglichen. Die radiologischen Befunde und Messungen wurden durch einen erfahrenen Facharzt für Radiologie mit Spezialisierung auf muskuloskelettale Bildgebung unabhängig überprüft und validiert.
Ergebnisse: Arthroskopisch zeigten sich SSP-Läsionen in 93 Fällen, ISP-Läsionen in 34 Fällen und SSC-Läsionen in 39 Fällen. Für ISP-Läsionen zeigte die ISPS eine signifikant höhere Sensitivität als die SPSS (70,6% vs. 44,1%; p = 0,016). Die diagnostische Übereinstimmung war signifikant höher (κ = 0,53; 95%-KI 0,37–0,70) als bei der SPSS (κ = 0,35; 95%-KI 0,17–0,52; p = 0,042). Die Complete-Miss-Rate für ISP-Läsionen konnte durch die ISPS signifikant reduziert werden (29,4% vs. 55,9%; p = 0,016). Für SSC-Läsionen zeigte sich ein Trend zu höherer Sensitivität (69,2% vs. 59,0%) und höherer Übereinstimmung (κ = 0,64 vs. 0,55), jedoch ohne statistische Signifikanz. Für SSP-Läsionen bestanden keine relevanten Unterschiede.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die Implementierung einer infraspinatuszentrierten MRT-Sequenz verbessert signifikant die Detektion von ISP-Läsionen und reduziert falsch-negative Befunde. Angesichts der biomechanischen Bedeutung des Infraspinatus kann eine ISP-optimierte Bildgebung die präoperative Planung verbessern und die diagnostische Sicherheit bei Rotatorenmanschettenrekonstruktionen erhöhen.



