Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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Nicht-traumatische Wirbelkörperfrakturen während tonisch-klonischer Anfälle im Video-EEG-Monitoring: Eine retrospektive Fallserie und Klassifikationsanalyse
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Epilepsieassoziierte Wirbelkörperfrakturen (WK) stellen eine klinisch relevante, bislang jedoch selten systematisch untersuchte Komplikation tonisch-klonischer Anfälle (TKA) dar. Im Rahmen der epilepsiechirurgischen Diagnostik mittels Video-EEG-Monitoring (VEEG) können trotz liegender Position nicht-traumatische WK auftreten. Diese besondere Konstellation ermöglicht eine einzigartige Analyse der Frakturentstehung, unter Ausschluss eines externen Traumas durch Sturz oder Anprall. Ziel dieser retrospektiven Untersuchung war die Analyse von Lokalisation und Morphologie anfallsassoziierter, nicht-traumatischer WK sowie die Bewertung etablierter Klassifikationen hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit in diesem spezifischen klinischen Kontext.
Material und Methoden: Eingeschlossen wurden Patienten, die sich während eines stationären VEEG zwischen 12/2019 und 02/2024 WK infolge tonisch-klonischer Anfälle zuzogen. Die WK wurden durch einen erfahrenen Wirbelsäulenchirurgen anhand von Röntgen-, CT- und MRT-Bildgebung beurteilt und gemäß AO-Spine- sowie OF-Klassifikation eingeordnet. Zusätzlich erfolgte eine Auswertung klinischer und epileptologischer Charakteristika.
Ergebnisse: 12 Patienten konnten eingeschlossen werden. Alle litten an einer pharmakoresistenten Epilepsie, die sich durchschnittlich im Alter von 20,72 Jahren manifestierte. Zum Zeitpunkt des VEEG nahmen die Patienten im Median 2 Anfallssuppressiva ein. Es lag in 11 von 12 Patienten eine fokale Epilepsie vor. Insgesamt wurden 45 WK identifiziert (1–7 WK pro Patient). Alle WK traten thorakal auf. Nach AO-Klassifikation wurden 20 WK als A1, 9 als A2 und 11 als A3 klassifiziert. Nach OF-Klassifikation entfielen 74,4% der Frakturen auf OF-Typ 2.
Diskussion und Schlussfolgerung: Nach Schädel- und Schulterverletzungen, gehören WK zu den häufigsten knöchernen Komplikationen TKAs und können auch ohne äußeres Trauma während des VEEG auftreten. In dieser Kohorte zeigte sich erstmals, dass junge Patienten ohne Osteoporose WK mit fragilitätsassoziierter Morphologie entwickeln können. Dies spricht für einen spezifischen Entstehungsmechanismus durch ausgeprägte axiale Kompression während der tonischen Anfallsphase, bei dem aufgrund hoher Energie vergleichbare Frakturmuster wie bei Fragilitätsfrakturen in jungen Menschen entstehen. Eine eigene Klassifikation für epilepsieassoziierte WK findet sich bisher nicht. Die AO-Klassifikation ist nur bedingt geeignet, da hier kein adäquates Trauma vorliegt. Die OF-Klassifikation kann durchaus geeigneter sein vor dem Hintergrund, dass Anfallssuppressiva eine sekundäre Osteoprose auslösen können, hat aber keine ausreichende Trennschärfe. Weiterhin ist der OF-Score nicht sinnvoll anwendbar für eine Therapieentscheidung. Hier wäre eine Entwicklung eines eigenen Klassifikationssystem zur Einordnung der besonderen Frakturuntergruppe mit Hilfe zur Therapieentscheidung sinnvoll. Diese Ergebnisse unterstreichen auch die Notwendigkeit, dieses Frakturrisiko bei der Indikationsstellung und Aufklärung zum Video-EEG-Monitoring zu berücksichtigen.



