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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Langzeitergebnisse nach traumatischer inferiorer Hüftluxation (Luxatia obturatoria) im Adoleszentenalter – ein Fallbericht

Ann-Kathrin Singer - Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie, Universitätsmedizin Göttingen, Göttingen, Deutschland
Wolfgang Lehmann - Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie, Universitätsmedizin Göttingen, Göttingen, Deutschland
Hauke Rüther - Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie, Universitätsmedizin Göttingen, Göttingen, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Die traumatische Hüftluxation im Kindes- und Jugendalter stellt mit ca. 5% der Hüfluxationen eine absolute Rarität dar. Typisch ist hier, wie bei den Erwachsenen, die posteriore Form. Die inferiore Hüftluxation (Luxatia obturatoria) stellt mit zwei veröffentlichten Fällen in der englisch- und deutschsprachigen Literatur einen absoluten Kolibri dar. Mit dieser Fallbeschreibung soll pädiatrisch tätigen Traumatologen eine Hilfestellung zur Versorgung dieser Verletzung an die Hand gegeben werden.

Material und Methoden: Ein 13 Jahre altes Mädchen fiel initial von einem Pferd auf die rechte Körperhälfte. Bei Bewegungseinschränkung und starken Schmerzen erfolgte die Vorstellung in einem Kreiskrankenhaus. Nach Dokumentation der Luxation wurde dann die Verlegung in die Universitätsklinik Göttingen initiiert. Bei frustranem Repositionsversuch in Kurznarkose unter Relaxierung wurde die Indikation zur umgehenden offenen Reposition gestellt. 4 Stunden nach Trauma wurde über einen Smith-Peterson-Zugang komplikationslos die Reposition durchgeführt. Intraoperativ, sowie im postoperativen CT zeigte sich eine ossäre Defektzone an der lateralen Femurkopfzirkumferenz. Die Patientin war 7 Tage hospitalisiert. Es erfolgte eine Teilbelastung für 6 Wochen und Sportkarenz für hüftbelastende Sportarten für 22 Monate. Retrospektiv wurden dann die Fallanalyse und Auswertung der vorhandenen Bildgebungen, sowie der Untersuchungsbefunde, durchgeführt. Im Anschluss daran wurde die Patientin ca. 8 Jahre post Trauma nachuntersucht und befragt.

Ergebnisse: Im Verlauf zeigte sich 8 Jahre nach Versorgung klinisch ein altersentsprechendes, regelrechtes Bewegungsausmaß. Dieses ohne Einschränkung im Seitenvergleich. Die Patientin ist auf dem gleichen Leistungsniveau wie vor dem Unfall aktiv. Gelegentlich bestünden noch Beschwerden bei hüftbelastenden Sportarten. Ein Analgetikabedarf besteht nicht. Das letzte MRT, 8 Jahre nach der Verletzung, zeigte ein intaktes Hüftgelenk mit regredienter subchondraler Signalateration (ARCO-Stadium II). Ein Hinweis auf eine Hüftkopfnekrose besteht nicht.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die inferiore Hüftluxation ist eine absolute Rarität. Wie jede traumatische Hüftluxation stellt sie einen Notfall dar und sollte so schnell wie möglich reponiert werden. Auf Grund der Stellung des Hüftkopfes im Foramen obturatorium kann, wie in unserem Fall beschrieben, eine offene Reposition notwendig sein. Hierzu eignet sich der Smith-Peterson-Zugang. Bei sorgfältiger Durchführung kann so das jugendliche Gelenk in seiner Kongruenz wiederhergestellt und Folgen der schweren Verletzung minimiert werden.