Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Untersuchung der Auswirkungen einer tibiotalokalkanealen (TTC) Marknagelarthrodese bei geriatrischen Fragilitätsfrakturen des Sprunggelenks auf Selbstbestimmung und Mobilität – eine prospektive einarmige Interventionsstudie mit historischer Vergleichskohorte basierend auf der Implementierung eines postoperativen Nachbehandlungsalgorithmus
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Zielsetzung und Fragestellung: Durch die demografische Entwicklung steigt kontinuierlich die Inzidenz von geriatrischen Sprunggelenksfrakturen. Die Rückgewinnung der Mobilität und der Erhalt der Autonomie stehen bei der Behandlung in diesem Kollektiv im Vordergrund. Die Studie wurde initiiert, um die alternative Versorgung komplexer geriatrischer Sprunggelenksfrakturen mittels minimalinvasiver TTC-Marknagelarthrodese zu dokumentieren, um mögliche Vorteile gegenüber der konventionellen Versorgung mittels ORIF aufzuzeigen.
Material und Methoden: In die prospektive Fallserie wurden 19 (18w, 1m) geriatrische und multimorbide Patient*innen mit radiologisch gesicherter OSG-Luxationsfraktur und Versorgung mittels minimalinvasiver TTC-Marknagelarthrodese eingeschlossen. Präoperative Autonomie (Katz-Index), Mobilität (Parker-Mobility-Score), Liegedauer und OP-Dauer wurden erhoben und die Patient*innen durchliefen postoperativ einen definierten Nachbehandlungsalgorithmus unter Vollbelastung in anliegendem stabilisierend-entlastenden orthopädischen Schuh. Drei Monate postoperativ erfolgte die Erhebung der nun vorliegenden Autonomie, Mobilität sowie von Komplikationen. Liege- und OP-Dauer wurden mit einer retrospektiven Kohorte (18w, 1m), welche mit ORIF versorgt wurden, verglichen. Mit Hilfe statistischer Analysen (Mann-Whitney-U-Test) wurden deskriptive Statistiken und signifikante Unterschiede ermittelt.
Ergebnisse: Das Durchschnittsalter der multimorbiden Patient*innen betrug 85,3 Jahre. Drei Monate nach Operation erreichten die mit TTC-Nagelarthrodese versorgten Patient*innen in 93% ihr präoperatives Autonomieniveau und 46% ihr präoperatives Mobilitätslevel. In allen bis auf einen Fall war die zunehmende Immobilität lediglich auf eine nun zusätzliche Verwendung eines Hilfsmittels zurückzuführen. Es wurde nur eine postoperative Komplikation im Sinne eines Materialversagens der Calcaneus-Verriegelungsschraube dokumentiert. Wundkomplikationen oder Infektionen zeigten sich keine. Im retrospektiven Vergleich zeigte sich bei der TTC-Marknagel-Kohorte eine signifikant niedrigere Liege- (12,7 d vs. 20,9 d; p = 0.003) und OP-Dauer (56,0 min vs. 90,6 min; p < 0.001) gegenüber der ORIF-Kohorte.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die minimale Invasivität und kürzere OP-Dauer führen zu einer geringen Infektions- und Komplikationsrate. Die unmittelbare Vollbelastung ermöglicht bei morbidem Patientenkollektiv im Vergleich zur ORIF eine kürzere Krankenhausverweildauer und in einem hohen Anteil den Rückgewinn der präoperativen Autonomie, welche zum Erhalt der Lebensqualität in diesem Lebensabschnitt entscheidend ist. Die TTC-Marknagelarthrodese ist bei OSG-Luxationsfrakturen im geriatrischen und multimorbiden Patientenkollektiv eine alternative und bei richtiger Indikationsstellung möglicherweise überlegene Behandlungsmethode.



