Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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MRT-basierte Quantifizierung pelviner Muskulatur und deren Zusammenhang mit spinopelvinem Alignment
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Zielsetzung und Fragestellung: Das Hip-Spine-Syndrom beschreibt das gleichzeitige Vorliegen von Hüft- und Wirbelsäulenpathologien, die sich biomechanisch gegenseitig beeinflussen. Operative Eingriffe an einem System können das spinopelvine Alignment sowie das funktionelle und postoperative Outcome des jeweils anderen Systems verändern. Bisher wurde diese Interaktion überwiegend anhand knöcherner Parameter untersucht, während Weichteilstrukturen, insbesondere die pelvine Muskulatur, nur begrenzt berücksichtigt wurden. Ziel dieser Studie war es, zu untersuchen, ob ein Zusammenhang zwischen pelviner Muskelmorphologie und sagittalem spinopelvinem Alignment besteht und ob Muskelgröße (Querschnittsfläche, CSA) oder Muskelqualität (Fettinfiltration, FI) stärker mit Malalignment assoziiert ist.
Material und Methoden: Retrospektive, querschnittliche Bildgebungsstudie mit Erwachsenen vor geplanter lumbaler Fusionsoperation (2017–2023) mit präoperativer Hüft-Magnetresonanztomografie (MRT) und stehenden Ganzwirbelsäulenaufnahmen innerhalb von sechs Monaten. Segmentiert wurden beidseits Iliopsoas (IP), Gluteus minimus (Gmin), medius (Gmed) und maximus (Gmax), Piriformis (Piri), Tensor fasciae latae (TFL) und Sartorius (S) auf axialen protonendichtegewichteten (PD) MRT-Sequenzen auf Höher der Spina iliaca anterior inferior. CSA und FI wurden schwellenwertbasiert quantifiziert (Abbildung 1 [Abb. 1]). Alignment-Parameter umfassten Pelvic Tilt (PT), Lumbar Lordosis (LL), Pelvic Incidence-Lumbar Lordosis (PI-LL)-Mismatch, Sagittal Vertical Axis (SVA) und thorakalen Kyphosewinkel (TKA). Analysen erfolgten mittels Pearson-Korrelation und multipler linearer Regression adjustiert für Alter, Geschlecht und Body-Mass-Index.
Ergebnisse: Das Kollektiv (n = 100) war im Mittel 68 ± 10 Jahre alt, 69% weiblich. Eine reduzierte Gmax CSA korrelierte mit höherem PT (r = -0,31; p = 0,010), eine größere Gmed CSA mit höherer SVA assoziiert (r = 0,35; p = 0,008) und eine erhöhte IP FI korrelierte mit niedrigerem TKA (r = −0,32; p = 0,019). In der multiplen Regression war eine geringere Gmax CSA unabhängig mit größerem PI-LL-Mismatch (β = -0,33; 95%-Konfidenzintervall -0,54 bis -0,11; p = 0,024) sowie höherem PT (β = -0,19; p = 0,048) assoziiert. Eine höhere IP FI war unabhängig mit größerem PI-LL-Mismatch assoziiert (β = 0,53; p = 0,020).
Diskussion und Schlussfolgerung: Pelvine Muskelparameter zeigen differenzierte Assoziationen mit sagittalem Alignment. Während die Muskelqualität des IP positiv mit dem PI-LL-Mismatch assoziiert war, zeigte die Muskelgröße des Gmax eine inverse Korrelation zu PI-LL-Mismatch und PT. Die Ergebnisse sprechen nicht dafür, dass Muskelqualität oder Muskelgröße grundsätzlich bedeutsamer ist, sondern für funktionsabhängige Beiträge einzelner Muskelgruppen zu sagittalen Kompensationsmechanismen und potenzielle klinische Relevanz pelviner Muskulatur in der Beurteilung des spinopelvinen Alignments.




