Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Vergleichende Wirksamkeit knochenspezifischer Medikamente bei Arthrose: Systematisches Review und Netzwerk-Metaanalyse
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Arthrose (Osteoarthritis, OA) betrifft weltweit mehr als 500 Millionen Menschen und stellt eine der führenden Ursachen für Schmerz und funktionelle Einschränkungen dar. Trotz dieser hohen Krankheitslast stehen bislang ausschließlich symptomatische Therapieansätze zur Verfügung. Krankheitsmodifizierende Therapien („disease-modifying osteoarthritis drugs“, DMOADs) existieren derzeit nicht. Der subchondrale Knochen rückt zunehmend in den Fokus der Pathophysiologie, da erhöhte Knochenumbauparameter, strukturelle Veränderungen und Knochenmarkläsionen mit Progression und Schmerzen assoziiert sind. Knochenspezifische Medikamente werden daher als potenzieller therapeutischer Ansatz diskutiert. Ziel dieser Arbeit ist es, die Wirksamkeit verschiedener knochenspezifischer Substanzen bei OA gelenk- und phänotypspezifisch systematisch zu untersuchen und vergleichend zu bewerten.
Material und Methoden: Es erfolgte ein systematisches Review mit Netzwerk-Metaanalyse von randomisiert kontrollierten Studien. Die Suche wurde in PubMed, Embase, Scopus und CINAHL bis Oktober 2025 durchgeführt. Eingeschlossen wurden randomisierte Studien zur Anwendung knochenspezifischer Medikamente bei OA, darunter Bisphosphonate, Calcitonin, Strontium, Denosumab und Romosozumab. Der primäre Endpunkt war Schmerz. Sekundäre Endpunkte umfassten Funktion, Sicherheit und bildgebende Parameter. Effektgrößen wurden als standardisierte Mittelwertsdifferenzen (SMD) mit Konfidenzintervallen (KI) berechnet.
Ergebnisse: Von 58.803 identifizierten Publikationen erfüllten 34 randomisierte kontrollierte Studien mit über 12.200 Patientinnen und Patienten die Einschlusskriterien. Untersucht wurden Gonarthrose, Coxarthrose, Fingergelenkspolyarthrose sowie Spondylarthrose. In der Gesamtanalyse über alle Gelenke zeigte sich für die meisten knochenspezifischen Medikamente kein signifikanter schmerzlindernder Effekt gegenüber Placebo. Lediglich Bisphosphonate zeigten einen relativen Vorteil (SMD: -1,35; 95%-KI: -2,59 bis -0,12). In der kniespezifischen Analyse ergaben sich keine signifikanten Unterschiede im Schmerz, jedoch eine Verbesserung der Funktion und der WOMAC-Gesamtscores unter Bisphosphonaten (SMD: -0,91; 95%-KI: -1,69 bis -0,13). Bei Fingergelenkspolyarthrose zeigte Denosumab einen schmerzlindernden Effekt gegenüber Placebo. Hinsichtlich struktureller Endpunkte reduzierte Strontium ranelat die Größe von Knochenmarkläsionen bei Gonarthrose, während für Bisphosphonate kein Effekt auf osteophytäre Veränderungen nachweisbar war.
Diskussion und Schlussfolgerung: Knochenspezifische Medikamente zeigen keinen konsistenten relevanten Nutzen bei der OA über verschiedene Gelenke hinweg und sollten außerhalb klinischer Studien nicht routinemäßig eingesetzt werden. Einzelne gelenk- und substanzspezifische Effekte deuten jedoch darauf hin, dass bestimmte Arthrose-Phänotypen gezielt von knochenspezifischen Therapien profitieren könnten. Dies unterstreicht die Notwendigkeit phänotyp- und gelenkspezifischer Studiendesigns anstelle generalisierter Therapieansätze.



