Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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Veränderungen im konventionellen Röntgen bei chronischer periprothetischer Hüftgelenkinfektion und ihr Zusammenhang mit dem Keimspektrum
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die konventionelle Röntgendiagnostik stellt weiterhin einen zentralen Bestandteil in der Nachsorge von Patienten mit Endoprothesen dar. Inwieweit radiologische Veränderungen Rückschlüsse auf einen Protheseninfekt zulassen, ist jedoch bislang unklar. Ziel dieser Studie war es, mögliche röntgenologische Charakteristika eines Protheseninfektes im konventionellen Röntgenbild hinsichtlich ihres tatsächlichen Auftretens zu quantifizieren und einen möglichen Zusammenhang mit dem zugrunde liegenden Keimspektrum zu untersuchen.
Material und Methoden: In diese retrospektive Kohortenstudie (Evidenzgrad C) wurden 133 Patienten mit gesicherter chronischer periprothetischer Hüftgelenkinfektion eingeschlossen, bei denen eine Explantation der Endoprothese und ein zweizeitiger Wechsel durchgeführt wurde. Standardisierte konventionelle Röntgenaufnahmen wurden systematisch auf vordefinierte radiologische Zeichen untersucht: periprothetische Lysesäume an der Knochen-Implantat- und Knochen-Zement-Grenze, herdförmige Osteolysen, heterotope Ossifikationen, kortikale Hypertrophie, periostale Reaktionen, intrakortikale Fistelbildungen sowie periprothetische Frakturen. Weiterhin wurden die mikrobiologischen Daten wurden nach Keimgruppen, Virulenz und Vorliegen einer polymikrobiellen Infektion kategorisiert. Kategoriale Variablen wurden mittels Chi-Quadrat-Test bzw. Fisher-Exact-Test mit Monte-Carlo-Simulation analysiert, Korrelationen mittels Spearman-Rangkorrelation, wobei zur Berücksichtigung von mehreren Keimen bei einem Patienten gruppenbasierte Variablen gebildet wurden (α = 0,05).
Ergebnisse: Spezifische radiologische Zeichen, insbesondere Lysesäume (55,6%), heterotope Ossifikationen (51,1%) und kortikale Hypertrophie (49,2%), waren bei chronischer periprothetischer Hüftgelenkinfektion sehr häufig. 62,4% der Fälle wiesen mindestens 2 charakteristische röntgenologische Veränderungen auf. Polymikrobielle Infektionen mit Nachweis von mindestens 2 verschiedenen Keimen zeigten im Vergleich zu monomikrobiellen Infektionen ein signifikant häufigeres Auftreten von Lysesäumen in der Pfannenregion (14,8% vs. 2,8%, p = 0,031). Zudem traten herdförmige Osteolysen im Bereich des Femurschaftes bei Infektionen, die ausschließlich durch grampositive Erreger verursacht wurden, signifikant häufiger auf als bei Infektionen mit ausschließlich gramnegativen oder gemischt gramnegativen/grampositiven Erregern (42,6% vs. 0%, p = 0,011). Die Summe der einzelnen Zeichen im Röntgenbild zeigte einen moderaten positiven Zusammenhang mit der Implantatliegedauer (ρ = 0,296, p < 0,001).
Diskussion und Schlussfolgerung: Bei chronischer periprothetischer Hüftgelenkinfektion zeigt die konventionelle Röntgendiagnostik oft charakteristische Veränderungen und liefert relevante Informationen zum Ausmaß und zur Chronizität der Erkrankung. Die Aussagekraft zur Differenzierung des zugrunde liegenden Erregerspektrums ist jedoch begrenzt, sodass die Befunde weiter im Rahmen eines multimodalen diagnostischen Gesamtkonzepts interpretiert werden sollten.



