Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Postoperativer Verlust an Skelettmuskelmasse und viszeralem Fett als Prädiktor für Überleben und Morbidität nach chirurgischer Behandlung nicht-metastasierter Chondrosarkome: Eine longitudinale CT-morphometrische Studie
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Das Chondrosarkom ist der zweithäufigste maligne primäre Knochentumor im Erwachsenenalter. Die chirurgische Resektion stellt die zentrale Therapie dar, dennoch zeigen sich selbst nach vollständiger (R0-)Resektion heterogene klinische Verläufe. Die prognostische Bedeutung der CT-basierten Körperzusammensetzung sowohl präoperativ als auch longitudinal ist beim Chondrosarkom bislang unzureichend untersucht.
Material und Methoden: In dieser retrospektiven Kohortenstudie wurden 79 erwachsene Patienten mit histologisch gesichertem, nicht metastasiertem (N0M0) Chondrosarkom eingeschlossen, die zwischen 2010 und 2024 mittels R0-Resektion behandelt wurden. Für alle Patienten lagen zwei auswertbare CT-Untersuchungen vom selben Scanner vor: eine präoperative Basisuntersuchung (tCT1) sowie eine Verlaufskontrolle etwa ein Jahr postoperativ (tCT2; mittleres Intervall 13,3 ± 2,2 Monate). Auf Höhe von L3 wurden Skelettmuskel- und Fettparameter (SMI, PSMI, PMI, SMD, VAT) bestimmt und longitudinal analysiert. Überlebensanalysen erfolgten mittels Kaplan-Meier- und Cox-Regression. Prognostische Schwellenwerte wurden durch ROC-Analyse mit Youden-Index definiert.
Ergebnisse: Postoperativ zeigte sich eine signifikante Abnahme von SMI, PSMI, PMI und VAT, während die Muskelqualität (SMD) weitgehend stabil blieb. Die stärksten Verluste traten bei stammlokalisierten sowie hochgradigen Tumoren auf. Patienten mit einem SMI-Verlust ≥30% wiesen ein signifikant kürzeres medianes Gesamtüberleben auf (64 vs. 116 Monate; p = 0,02). Ebenso war ein VAT-Verlust ≥25% mit einer deutlich reduzierten Überlebenszeit assoziiert (42 vs. 88 Monate; p < 0,01). Beide Parameter erwiesen sich in der multivariablen Analyse als unabhängige Prädiktoren eines schlechteren Überlebens. Präoperative Sarkopenie war zusätzlich mit verkürztem Überleben, erhöhten Infektionsraten sowie längeren Krankenhausaufenthalten verbunden.
Diskussion und Schlussfolgerung: Bei nicht metastasierten, R0-resezierten Chondrosarkomen sind sowohl präoperative Sarkopenie als auch postoperative Verluste von Muskel- und Fettgewebe unabhängige Prädiktoren für ungünstige klinische Verläufe und ein reduziertes Überleben. Routinemäßige Staging-CTs bieten damit eine wertvolle Grundlage für eine frühzeitige Risikostratifizierung und individualisierte perioperative Therapieplanung.



