Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Lernen durch Handeln: Ein nachhaltiges, modulares Near-Peer-Kurskonzept für kompetenzorientierte Lehre vom Polytrauma bis zur Kindertraumatologie
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Zielsetzung und Fragestellung: Veranstaltungen der Orthopädie und Unfallchirurgie sind häufig durch theoretische Inhalte und beobachtendes Lernen geprägt. Studierende berichten dadurch über Unsicherheiten bei praktischen Fertigkeiten, Notfallsituationen und klinischen Entscheidungsprozessen. Ziel war die Entwicklung eines Lehrkonzepts, das Studierende systematisch vom Zuschauen zum eigenständigen Handeln führt, zentrale Kompetenzen des Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Medizin (NKLM) adressiert und ohne zusätzlichen ärztlichen Lehraufwand in den klinischen Alltag integrierbar ist.
Material und Methoden: Prospektiv wurde ein modulares Kurskonzept mit vier praxisorientierten Lehrformaten entwickelt: Polytraumaversorgung, konservative Frakturversorgung, Osteosynthesen am Kunstknochen beim Erwachsenen und in der Kindertraumatologie. Vier studentische Tutoren wurden als thematische Spezialisten qualifiziert und betreuen alle Kurse gemeinsam, wodurch fachliche Redundanz, Supervision und ein einheitliches didaktisches Niveau gewährleistet werden. Alle Kurse folgen einem klar strukturierten, für Teilnehmende transparenten Ablauf: Nach einer kurzen, fokussierten Theorieeinheit werden klinisch typische Fallbeispiele vorgestellt. Anschließend bearbeiten die Teilnehmenden diese in Kleingruppen (4–6 Personen) und führen sämtliche Maßnahmen selbstständig durch. Im Polytrauma-Kurs werden realitätsnahe Notfallszenarien mit definierter Rollenverteilung simuliert. Im Gipskurs legt jede Person mehrere Gipsverbände an der oberen und unteren Extremität eigenständig an. In den operativen Modulen werden Frakturen an realitätsnahen Kunstknochen mit Originalmaterial versorgt. In der Kindertraumatologie ermöglicht der Einsatz röntgendichter Modelle eine direkte Überprüfung des Osteosyntheseerfolgs. Ein zentrales innovatives Element ist ein strukturiertes Near-Peer-Schneeballsystem: Engagierte Teilnehmende werden nach definierten Kriterien zu Tutor:innen weiterentwickelt und ersetzen ausscheidende Tutoren. Dadurch entsteht ein dauerhaft selbsttragendes Lehrsystem.
Ergebnisse: Das Kurskonzept wurde erfolgreich implementiert und zeigt eine hohe Nachfrage. Die konsequente Eigenaktivität aller Teilnehmenden führt zu einem deutlichen Zuwachs an Handlungssicherheit, praktischem Verständnis und klinischer Entscheidungsfähigkeit. Besonders innovativ ist die vollständige Entkopplung der Durchführung vom ärztlichen Personaleinsatz bei gleichzeitig hoher didaktischer Qualität. Das Schneeballsystem gewährleistet Kontinuität, Skalierbarkeit und Nachhaltigkeit ohne zusätzliche Ressourcen.
Diskussion und Schlussfolgerung: Das vorgestellte Kurskonzept überführt unfallchirurgische Lehre vom passiven Beobachten zur aktiven Handlungskompetenz. Die Kombination aus klaren Kursabläufen, Near-Peer-Teaching und nachhaltiger Tutorenentwicklung erfüllt zentrale NKLM-Ziele und lässt sich niederschwellig in den klinischen Alltag integrieren. Aufgrund seiner Innovationskraft, Praxisnähe und Übertragbarkeit besitzt das Konzept hohes Potenzial für eine Auszeichnung im Rahmen des DKOU-Lehrpreises.



