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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Fünf Jahre Navigation in der traumatologischen Wirbelsäulenchirurgie: Implementierung, Workflow und klinische Effekte in einem Level-I-Traumazentrum

Johannes Groh - Uniklinik Erlangen, Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Erlangen, Deutschland
Simon Schramm - Uniklinik Erlangen, Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Erlangen, Deutschland
Lilli Holzmann - Uniklinik Erlangen, Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Erlangen, Deutschland
Simon Wagner - Uniklinik Erlangen, Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Erlangen, Deutschland
Mario Perl - Uniklinik Erlangen, Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Erlangen, Deutschland
Johannes Krause - Uniklinik Erlangen, Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Erlangen, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Ziel dieser Arbeit war es, die Einführung und den klinischen Einsatz navigationsgestützter dorsaler Wirbelsäuleninstrumentationen in der traumatologischen Versorgung über einen Zeitraum von fünf Jahren zu analysieren und diese mit konventionell fluoroskopisch durchgeführten Verfahren hinsichtlich Effizienz, Strahlenexposition und Revisionsraten zu vergleichen. Darüber hinaus sollte der Implementierungsprozess der Navigation in den klinischen Alltag eines Level-I-Traumazentrums systematisch nachvollzogen und dessen Auswirkungen auf Indikationsstellung, Workflow und Fallselektion dargestellt werden.

Material und Methoden: In dieser retrospektiven monozentrischen Studie wurden alle dorsalen Schrauben-Stab-Instrumentationen bei traumatischen Wirbelsäulenverletzungen zwischen 2015 und 2025 ausgewertet. Insgesamt wurden 557 Patientinnen und Patienten eingeschlossen, davon 119 navigiert und 438 fluoroskopisch operiert. Erfasst wurden demografische Daten, ASA-Klassifikation, Operationsdauer, Schraubenzahl, Zeit pro Schraube, Strahlenzeit und -dosis, instrumentierte Höhen sowie Revisionsursachen. Der Vergleich erfolgte zwischen navigierten und nicht navigierten Eingriffen sowie innerhalb der Zeiträume vor und nach Einführung der Navigation im Jahr 2020. Die statistische Auswertung erfolgte mittels t-Test, Mann-Whitney-U-Test und Chi-Quadrat-Test (Signifikanzniveau p < 0,05).

Ergebnisse: Der Einsatz der Navigation nahm nach 2020 kontinuierlich zu und verlagerte sich von der Lendenwirbelsäule auf anatomisch anspruchsvollere Regionen wie obere Brustwirbelsäule, zervikothorakalen Übergang sowie Becken/Sakrum. Navigierte Eingriffe betrafen signifikant ältere Patientinnen und Patienten mit höherer ASA-Klassifikation. Die absolute Operationsdauer war bei Navigation länger, jedoch wurden signifikant mehr Schrauben implantiert, sodass sich kein Unterschied in der Zeit pro Schraube zeigte. Eine signifikante Lernkurve konnte nachgewiesen werden, mit einer Reduktion der Zeit pro Schraube von 27 ± 22 auf 19 ± 7 Minuten (p = 0,03). Die Strahlenzeit war bei navigierten Eingriffen signifikant geringer, während die Gesamtdosis vergleichbar blieb. Revisionsoperationen aufgrund von Schraubenfehlplatzierungen traten bei Navigation seltener auf (1% vs. 5%), während revisionspflichtige Wundheilungsstörungen häufiger beobachtet wurden.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Einführung der Navigation führte zu einer nachhaltigen Veränderung der klinischen Praxis und wurde bevorzugt bei komplexer Anatomie und Patientinnen und Patienten mit höherem perioperativem Risiko eingesetzt. Trotz initial längerer Operationszeiten konnte nach Abschluss der Lernkurve eine vergleichbare Effizienz bei gleichzeitig reduzierter Strahlenzeit und verbesserter Schraubenplatzierung erreicht werden. Navigation stellt damit ein wertvolles Instrument zur sicheren und effizienten traumatologischen Wirbelsäuleninstrumentation dar und gewinnt mit zunehmender Komplexität der Fälle weiter an Bedeutung.