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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Frühe Risikostratifizierung beim schwerverletzten Kind – kann der PIM3-Score die Mortalität im Trauma vorhersagen?

Oliver Kamp - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsmedizin Essen, Essen, Deutschland
Maximilian Wolf - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsmedizin Essen, Essen, Deutschland
Ramona Lehmann - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsmedizin Essen, Essen, Deutschland
Christoph Neumann - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsmedizin Essen, Essen, Deutschland
Lars Becker - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsmedizin Essen, Essen, Deutschland
Marcel Dudda - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsmedizin Essen, Essen, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Eine frühzeitige und zuverlässige Einschätzung des Mortalitätsrisikos ist von zentraler Bedeutung für die Versorgung schwerverletzter Kinder. Obwohl der traumaspezifische RISC-II-Score eine hohe Prognosegenauigkeit aufweist, ist er komplex und häufig erst retrospektiv verfügbar. Der Paediatric Index of Mortality 3 (PIM3) ist hingegen auf pädiatrischen Intensivstationen etabliert, einfach anzuwenden und zeitnah verfügbar, jedoch nicht speziell für Traumapatienten validiert. Ziel dieser Studie war es, zu prüfen, ob PIM3 zur frühen Mortalitätsvorhersage bei pädiatrischen Traumapatienten geeignet ist und wie es im Vergleich zu RISC-II abschneidet.

Material und Methoden: Retrospektiv wurden Daten aus dem TraumaRegister DGU® von 2002 bis 2019 analysiert. Eingeschlossen wurden Kinder im Alter von 0–16 Jahren mit vollständigen Datensätzen zur Berechnung von PIM3 und RISC II. Die Vorhersagegüte beider Scores wurde anhand der Diskriminierung (Area under the ROC curve, AUC) und der Kalibrierung (standardisierte Mortalitätsrate, SMR) untersucht. Subgruppenanalysen wurden für Polytrauma und schwere Schädel-Hirn-Verletzungen durchgeführt.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 7.106 Kinder aus 222 Kliniken in die Studie eingeschlossen, wobei die Krankenhausletalität 5,1% betrug. Beide Bewertungsskalen zeigten eine exzellente Diskriminierungsfähigkeit (AUC PIM3: 0,93; RISC II: 0,97; p < 0,001). RISC II wies insgesamt eine bessere Kalibrierung auf (SMR 0,86 gegen 0,65). In der jüngsten Altersgruppe (0–1 Jahr) entsprach die durch PIM3 prognostizierte Mortalität nahezu der beobachteten. Sowohl bei Polytrauma als auch bei schwerem Schädel-Hirn-Trauma erreichten beide Scores eine hohe Güte der Vorhersage, wobei RISC II durchgängig überlegen war.

Diskussion und Schlussfolgerung: Der RISC-II-Score bleibt der Goldstandard zur Mortalitätsvorhersage beim pädiatrischen Trauma. Der PIM3-Score weist jedoch trotz mangelnder Traumaspezifität eine überraschend hohe prognostische Leistungsfähigkeit auf und ermöglicht eine frühzeitige, pragmatische Risikobewertung bereits in der initialen Intensivphase. Somit stellt PIM3 eine wertvolle Ergänzung für die frühe Entscheidungsfindung dar, solange traumaspezifische Scores noch nicht umfassend verfügbar sind.