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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Eine retrospektive 4-Jahres-Analyse (2021–2024) von Verletzungsmustern, Diagnostik und Therapie sowie Prozesszeiten bei Verletzungen von Kindern und Jugendlichen

Jonas Pawelke - Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie UKGM Gießen, Gießen, Deutschland
Tim Ludwig Tüngler - Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie UKGM Gießen, Gießen, Deutschland
Markus Rupp - Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie UKGM Gießen, Gießen, Deutschland
Christian Heiß - Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie UKGM Gießen, Gießen, Deutschland
Thaqif El Khassawna - Labor für Experimentelle Unfallchirurgie JLU Gießen, Gießen, Deutschland
Gero Knapp - Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie UKGM Gießen, Gießen, Deutschland
Sanjeev Vidadala - Justus-Liebig-Universität, Gießen, Deutschland
Ralf Kraus - Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie UKGM Gießen, Gießen, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Verletzungen stellen einen der häufigsten Vorstellungsgründe von Kindern und Jugendlichen in Notfallambulanzen dar. Insbesondere die Frakturversorgung unterscheidet sich aufgrund noch offener Wachstumsfugen und deren Korrektur- aber auch Komplikationspotential grundlegend von der Erwachsenentraumatologie. Ziel dieser fortlaufenden Studie ist es, die Epidemiologie und das Notfalltherapieregime unter besonderer Berücksichtigung der Covid-19 Pandemie zu eruieren.

Material und Methoden: Es erfolgte eine retrospektive monozentrische Datenauswertung aller kindertraumatologischen notfallmäßigen operativen Eingriffe im Zeitraum vom 01.01.2021 bis 31.12.2024. Erfasst wurden demografische Daten, Lokalisation des Traumas und die Art der Versorgung. Darüber hinaus wurde die Dringlichkeit anhand der N-Klassifikation, N0 für sofortige Versorgung bis N5 für elektive Eingriffe, erfasst.

Ergebnisse: Im Rahmen der Studie wurden2.593 Fälle erfasst, hiervon 1.076 operative Notfalleingriffe an 964 Patienten/-innen. Es wurden 674 Jungen (62,5%) und 402 Mädchen (37,2%) eingeschlossen. Das Alter der Patienten lag zwischen0 – 18 Jahren (9.2 ± 4.9 Jahre). Die Zeiträume zwischen der OP-Meldungund Beginn der Operation zeigte ein breites Spektrumin Abhängigkeit der jeweiligen Dringlichkeitsstufen: N0 mit durchschnittlich 31 Minuten (n=2, 0.2%), N1 mit 30 Minuten (n=49, 4.6%), N2 mit 2,5 Stunden (n=200, 18,6%), N3 mit 4,5 Stunden (n=265, 24,6%), N4 mit 4.8 Stunden (n=287, 26,7%), N5 mit 6.4 Stunden(n=258, 24,0%). Das notfallmäßige Interventionsspektrumumfasste insgesamt 711 Osteosynthesen und 365 Weichteileingriffe. Hierbei wurden unter anderem die K-Draht-Osteosynthese (n=312, 29%), ESIN-Osteosynthese (n=204, 19%), Schraubenosteosynthese (n=82, 7,6%), Plattenosteosynthese (n=55, 5,1%), kombinierte Osteosyntheseverfahren (n=42, 3,9%) sowie der Fixateur externe (n=7, 1,0%) und intramedulläre Nägel (n=4, 0,6%) erfasst. Die Weichteileingriffe umfassten unter anderem Abszessspaltungen (n=170, 46,0%), Debridement (n=101, 27,7%), Sehnennähte (n=25, 2,3%) oder auch Panaritiumspaltungen (n=21, 5,8%).

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Daten bestätigen eine deutliche Dominanz der Jungen bei akuten Verletzungen. Die im Rahmen der Studie ermittelten Prozesszeiten zeigen eine deutliche Korrelation zur N-Klassifikation bei notfallmäßiger operativer Versorgung. Eine dringlichere Klassifikation geht mit einer schnelleren Time-to-Incision einher. Therapeutisch zeigt sich eine hohe Adhärenz zu minimalinvasiven Verfahren (K-Draht, ESIN), während Plattenosteosynthesen im Kindesalter eine untergeordnete Rolle spielen.