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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Osteosynthetische Versorgung mehrfragmentärer Radiuskopffrakturen – Bedeutung der periostalen Integrität

Anne Bauer - Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Frankfurt, Frankfurt, Deutschland
Tim Jakobi - Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Frankfurt, Frankfurt, Deutschland
Anna Egert - Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Frankfurt, Frankfurt, Deutschland
Finn Lunscken - Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Frankfurt, Frankfurt, Deutschland
Matthias Sauter - Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Frankfurt, Frankfurt, Deutschland
Matthias Münzberg - Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Frankfurt, Frankfurt, Deutschland
Alexander Klug - Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Frankfurt, Frankfurt, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Komplexe Radiuskopffrakturen (Mason Typ III und Typ IV) sind seltene, jedoch schwerwiegende Verletzungen des Ellenbogens, die operativ mittels Osteosynthese oder Radiuskopfprothese behandelt werden. Bei der radiuskopferhaltenden Osteosynthese kommt dem Periost im Bereich des Radiushalses eine Schlüsselrolle für die Durchblutung des Radiuskopfes und damit der Frakturheilung zu. Bisher gibt es keine Studie, die den Einfluss des Periosts untersucht. Ziel dieser Studie ist, die Bedeutung des Periosts bezüglich des postoperativen Outcomes von osteosynthetisch versorgten komplexen Radiuskopffrakturen zu untersuchen.

Material und Methoden: Zwischen 2017 und 2022 wurden 59 Patienten mit komplexer Radiuskopffraktur (Mason Typ III und IV) mittels osteosynthetischer Rekonstruktion operativ versorgt und in die Studie eingeschlossen. Die Patienten wurden in zwei Gruppen unterteilt: 31 (52,5%) mit intaktem Periost und 28 (47,5%) mit vollständiger Lösung der Fragmente. Der Zustand des Periosts wurde während der Operation dokumentiert. Bei allen Patienten wurde die Ellenbogenfunktion (Range of Motion, postoperativer Schmerz, Zufriedenheit) sowie etablierte funktionelle Scores erhoben (Mayo Elbow Performance Score (MEPS), Oxford Elbow Score (OES), Disabilities of the Arm, Shoulder and Hand (DASH) Score). Es wurden die Komplikationsrate, Anzahl und Gründe für Revisionen erfasst, sowie das radiologische Bildmaterial analysiert.

Ergebnisse: Hinsichtlich des Auftretens und der Art von Begleitverletzungen sowie der Frakturklassifizierung zeigte sich kein Unterschied zwischen den Patientengruppen. Beide Gruppen wiesen vergleichbare funktionelle Ergebnisse bezüglich des Bewegungsausmaßes auf, Patienten mit intaktem Periost erreichten tendenziell bessere funktionelle Scores (Pro-, Supination 171° vs.157°, p=0,032, Extension, Flexion 127° vs.123°, p=0,203; MEPS 94,0 vs.90,0; OES 42,0 vs.40,0; DASH-Score 21 vs.16,0, p=0,246; 0,372; 0,078). Die Komplikationsrate betrug insgesamt 23,7%, wobei 22% der Patienten einer operativen Revision unterzogen wurden. Es zeigte sich, dass Patienten mit makroskopisch fehlender deperiostaler Verbindung eine signifikant erhöhte Rate an verzögerter Frakturheilung sowie eine erhöhte Konversionsrate in einen endoprothetischen Gelenkersatz (n= 6, 21,4% vs. n=1, 3%, p=0,031) aufwiesen.

Diskussion und Schlussfolgerung: Mehrfragmentäre Radiuskopffrakturen stellen ein herausforderndes Verletzungsbild dar. Patienten mit osteosynthetischer Versorgung erreichen im Durchschnitt ein gutes funktionelles Ergebnis sowie eine gute Beweglichkeit. Ist die Integrität der periostalen Verbindung gestört, ist nach osteosynthetischer Versorgung mit einer erhöhten Konversionsrate in eine sekundäre Radiuskopfprothese zu rechnen. Die Entscheidung bezüglich des initialen Therapieverfahrens ist von diversen Faktoren abhängig, das Vorliegen einer dislozierten Fraktur ohne Periostverbindung kann zusammen mit anderen Kontextfaktoren (bsp. hohes Alter, komplexe Frakturmorphologie) zur Entscheidung für einen primären Ersatz des Radiuskopfes führen.