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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Kardiovaskuläre Risikostratifizierung nach Polytrauma: Prognostische Bedeutung des SCORE2 für traumatische, kardiale Verletzungen

Birte Weber - Universitätsklinikum Frankfurt, Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Frankfurt, Deutschland
Larissa Sztulman - Universitätsklinikum Frankfurt, Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Frankfurt, Deutschland
Victoria Pfeiffer - Universitätsklinikum Frankfurt, Klinik für Kardiologie, Frankfurt am Main, Deutschland
Lisa Zerwas - Universitätsklinikum Frankfurt, Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Frankfurt, Deutschland
Liudmila Leppik - Universitätsklinikum Frankfurt, Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Frankfurt, Deutschland
Ingo Marzi - Universitätsklinikum Frankfurt, Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Frankfurt, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Kardiale Dysfunktion nach einem Polytrauma (PT) ist mit einer erhöhten Mortalität verbunden. Diese Studie untersucht, ob kardiovaskuläre Risikofaktoren – wie Rauchen, Hypercholesterinämie und vorbestehende Herzerkrankungen – eine Prädisposition für post-traumatische Herzfunktionsstörungen darstellen, die mittels transthorakaler Echokardiographie (TTE) oder EKG festgestellt werden können.

Material und Methoden: In dieser prospektiven, nicht randomisierten Studie an einem deutschen Traumazentrum der Stufe 1 wurden 59 PT-Patienten (ISS ≥ 16) eingeschlossen. Es wurden serielle Blutproben im Schockraum, nach 24 h, 48 h, 72 h, 96 h und 10 Tagen entnommen, um Herzschäden anhand von Troponin T- und NT-proBNP-Messungen zu beurteilen. Eine TTE wurde nach 24 und 48 h auf der Intensivstation durchgeführt. Das kardiovaskuläre Risiko wurde anhand des etablierten SCORE2-Algorithmus und der Lipoprotein-a-Spiegel (Lp(a)) bewertet. Dieser kardiovaskuläre Risiko-Score (SCORE2) schätzt das 10-Jahres-Risiko für tödliche und nicht tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Europäern im Alter von 40 bis 69 Jahren ab und umfasst die Parameter: Alter, Rauchen, systolischer Blutdruck sowie Gesamt- und HDL-Cholesterin. In einer Subgruppenanalyse wurde die Häufigkeit und der Schweregrad von Herzschäden bei Patienten mit hohem und niedrigem Risiko verglichen, wobei zusätzlich die Auswirkungen von Thoraxtraumata innerhalb der Hochrisikokohorte bewertet wurden.

Ergebnisse: Bei 39% der PT-Patienten traten Arrhythmien auf, und bei 19 % wurden im EKG Ischämien/Repolarisations-Störungen festgestellt. Die TTE identifizierte in 12% der PT-Patienten Wandbewegungsstörungen, in 10% eine diastolische Dysfunktion und in 5% rechtsventrikuläre Beeinträchtigungen. Ein erhöhter SCORE2-Wert mit Nichtüberleben, Wandbewegungsstörungen und diastolischer Dysfunktion bzw. Relaxationsstörungen assoziiert (p < 0,05). Lp(a) blieb bei allen Patienten unterhalb des pathologischen Schwellenwerts. In der Gruppe der Hochrisikopatienten (SCORE2 > 7,5%) zeigten Patienten mit einem Thoraxtrauma einen erhöhten Anteil an Arrhythmien und diastolischen Dysfunktionen, wenngleich keine erhöhte Mortalität beobachtet wurde. In den Hochrisikopatienten ohne Thoraxtrauma zeigte sich eine erhöhte Mortalitätsrate (50%), die in 30% der Fälle möglicherweise auf einen vorangegangenen Myokardinfarkt zurückzuführen war.

Diskussion und Schlussfolgerung: In der vorliegenden Studie, war ein SCORE2 > 7,5% (hohes kardiovaskulär Risiko) in PT-Patienten signifikant mit erhöhten Werten von kardialen Biomarkern, echokardiographischen Anomalien und Mortalität assoziiert, sodass eine generelle Erhebung des SCORE2 im PT-Patienten diskutiert werden sollte. Bei Patienten mit einem SCORE2 > 7,5% war das Vorliegen eines Thoraxtraumas nicht eindeutig mit einer Verschlechterung der kardialen Dysfunktion assoziiert. Eine Myokardinfarkt-Anamnese war jedoch in dieser Hochrisikogruppe mit einer erhöhten Mortalität assoziiert.