Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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Kardiovaskuläre Risikostratifizierung nach Polytrauma: Prognostische Bedeutung des SCORE2 für traumatische, kardiale Verletzungen
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Zielsetzung und Fragestellung: Kardiale Dysfunktion nach einem Polytrauma (PT) ist mit einer erhöhten Mortalität verbunden. Diese Studie untersucht, ob kardiovaskuläre Risikofaktoren – wie Rauchen, Hypercholesterinämie und vorbestehende Herzerkrankungen – eine Prädisposition für post-traumatische Herzfunktionsstörungen darstellen, die mittels transthorakaler Echokardiographie (TTE) oder EKG festgestellt werden können.
Material und Methoden: In dieser prospektiven, nicht randomisierten Studie an einem deutschen Traumazentrum der Stufe 1 wurden 59 PT-Patienten (ISS ≥ 16) eingeschlossen. Es wurden serielle Blutproben im Schockraum, nach 24 h, 48 h, 72 h, 96 h und 10 Tagen entnommen, um Herzschäden anhand von Troponin T- und NT-proBNP-Messungen zu beurteilen. Eine TTE wurde nach 24 und 48 h auf der Intensivstation durchgeführt. Das kardiovaskuläre Risiko wurde anhand des etablierten SCORE2-Algorithmus und der Lipoprotein-a-Spiegel (Lp(a)) bewertet. Dieser kardiovaskuläre Risiko-Score (SCORE2) schätzt das 10-Jahres-Risiko für tödliche und nicht tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Europäern im Alter von 40 bis 69 Jahren ab und umfasst die Parameter: Alter, Rauchen, systolischer Blutdruck sowie Gesamt- und HDL-Cholesterin. In einer Subgruppenanalyse wurde die Häufigkeit und der Schweregrad von Herzschäden bei Patienten mit hohem und niedrigem Risiko verglichen, wobei zusätzlich die Auswirkungen von Thoraxtraumata innerhalb der Hochrisikokohorte bewertet wurden.
Ergebnisse: Bei 39% der PT-Patienten traten Arrhythmien auf, und bei 19 % wurden im EKG Ischämien/Repolarisations-Störungen festgestellt. Die TTE identifizierte in 12% der PT-Patienten Wandbewegungsstörungen, in 10% eine diastolische Dysfunktion und in 5% rechtsventrikuläre Beeinträchtigungen. Ein erhöhter SCORE2-Wert mit Nichtüberleben, Wandbewegungsstörungen und diastolischer Dysfunktion bzw. Relaxationsstörungen assoziiert (p < 0,05). Lp(a) blieb bei allen Patienten unterhalb des pathologischen Schwellenwerts. In der Gruppe der Hochrisikopatienten (SCORE2 > 7,5%) zeigten Patienten mit einem Thoraxtrauma einen erhöhten Anteil an Arrhythmien und diastolischen Dysfunktionen, wenngleich keine erhöhte Mortalität beobachtet wurde. In den Hochrisikopatienten ohne Thoraxtrauma zeigte sich eine erhöhte Mortalitätsrate (50%), die in 30% der Fälle möglicherweise auf einen vorangegangenen Myokardinfarkt zurückzuführen war.
Diskussion und Schlussfolgerung: In der vorliegenden Studie, war ein SCORE2 > 7,5% (hohes kardiovaskulär Risiko) in PT-Patienten signifikant mit erhöhten Werten von kardialen Biomarkern, echokardiographischen Anomalien und Mortalität assoziiert, sodass eine generelle Erhebung des SCORE2 im PT-Patienten diskutiert werden sollte. Bei Patienten mit einem SCORE2 > 7,5% war das Vorliegen eines Thoraxtraumas nicht eindeutig mit einer Verschlechterung der kardialen Dysfunktion assoziiert. Eine Myokardinfarkt-Anamnese war jedoch in dieser Hochrisikogruppe mit einer erhöhten Mortalität assoziiert.



