Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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5-Jahres Ergebnisse des zweizeitigen Prothesenwechsels bei chronischer Hüft-TEP Infektion – Diskrepanz zwischen Infektkontrolle und Gesamttherapieerfolg
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die periprothetische Gelenkinfektion stellt eine der schwerwiegendsten und therapeutisch anspruchsvollsten Komplikationen nach endoprothetischem Gelenkersatz dar. Gleichwohl werden in der Literatur häufig hohe Infekteradikationsraten berichtet. Im Jahr 2019 publizierte die MusculoSkeletal Infection Society (MSIS) standardisierte Kriterien zur Definition des Gesamttherapieerfolgs. Bislang liegen nur wenige Studien vor, in denen diese Kriterien implementiert und berichtet wurden. Die bisher publizierten Daten deuten darauf hin, dass die Erfolgsraten gemäß MSIS-Definition deutlich unter den berichteten Infektkontrollraten liegen könnten. Ziel der vorliegenden Arbeit war daher die Erhebung der 5-Jahres-Ergebnisse einer konsekutiven Patientenkohorte sowie der Vergleich zwischen Infekteradikation und Therapieerfolg gemäß den MSIS-Kriterien.
Material und Methoden: Im Rahmen einer retrospektiven Kohortenstudie wurden alle chronischen Hüft-TEP-Infektionen, die mittels eines zweizeitigen Prothesenwechsels zwischen 2018 und 2021 in unserer Klinik behandelt wurden, in diese Studie eingeschlossen. Im Rahmen eines prospektiven Follow-ups und den Daten aus der klinikinternen Patientendatenbank wurden die klinisch-radiologischen Ergebnisse erhoben, sowie die Erfolgsraten bestimmt.
Ergebnisse: Von den insgesamt 90 eingeschlossenen Patienten, wurden 69 Patienten (77%) nach einer mittleren Interimsperiode von 101 Tagen (SD 91 Tage) wieder reimplantiert. Das mittlere Follow-up betrug 52 (26–78) Monate und 2 Patient (2%) waren „lost to follow-up“. Insgesamt kam es zu 7 (10%) Reinfektionen nach dem Wiedereinbau und zusätzlich 8 aseptischen Revisionen sowie 6 geschlossenen Repositionen nach stattgehabter Luxation. Die 5-Jahres Kaplan-Maier Überlebensrate für den Endpunkt Tod betrug 32% (95%-KI: 22–45). Die 5-Jahres Kaplan-Meier Überlebensrate für den Endpunkt Infektionskontrolle nach Wiedereinbau betrug 88% (95%-KI: 76–94) und für den Endpunkte Therapieerfolg gemäß den MSIS-Kriterien 48% (95%-KI: 35–60). Der Vergleich zwischen beiden Kurven zeigte einen signifikanten Unterschied (Log-rank Test, p < 0,0001).
Diskussion und Schlussfolgerung: Der Behandlungserfolg nach periprothetischer Infektion wird in spezialisierten Zentren in der Literatur häufig mit Erfolgsraten von 80–90% angegeben. In der vorliegenden Studie konnte gezeigt werden, dass trotz einer vielversprechenden 5-Jahres Infektionskontrollrate von 88% nach Reimplantation die tatsächliche Erfolgsrate in der Gesamtkohorte gemäß den MSIS-Kriterien lediglich 48% betrug und damit deutlich darunter lag. Diese Diskrepanz unterstreicht, dass die isolierte Betrachtung der Infekteradikation den klinischen Gesamterfolg nur unzureichend abbildet. Zukünftige Studien sollten daher einerseits robuste präoperative Prädiktoren für ein Therapieversagen identifizieren und andererseits alternative, risikoadaptierte Behandlungsstrategien für definierte Hochrisikokollektive systematisch evaluieren.



