Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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Evaluation der Dauerdrainage als Salvage-Verfahren bei chronischer periprothetischer Infektion: Eine Analyse des Therapieverlaufs und Komplikationsprofils
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die Behandlung der chronischen periprothetischen Infektion ist häufig von vielen Operationen in einem multimorbiden Patientenkollektiv geprägt. Im Falle der Persistenz der periprothetischen Infektion nach Ausschöpfung kurativer Therapieoptionen stehen verschiedene Salvage-Prozeduren zur Verfügung. Die Einlage einer Dauerdrainage zur Etablierung einer kontrollierten chronischen Fistel soll die Infektexazerbation verhindern und gleichzeitig den Gelenkerhalt sowie die Mobilität sichern. Da zu diesem Vorgehen bisher wenig wissenschaftliche Evidenz in der Literatur existiert, war es Ziel dieser Studie, den Therapieverlauf, das Komplikationsprofil sowie das funktionelle Outcome nach Anwendung einer Dauerdrainage systematisch zu untersuchen.
Material und Methoden: Im Rahmen einer kombiniert retro- und prospektiven Studie wurden 108 Patienten evaluiert (Hüfte n=54; Knie n=54), die zwischen 2013 und 2023 bei chronischer PPI eine Dauerdrainage erhielten. Neben demografischen Daten wurden Komplikationen, die Frequenz operativer Revisionen sowie die Mortalität analysiert. Der mittlere Nachuntersuchungszeitraum betrug 4,7 (2–13) Jahre. Das funktionelle Ergebnis wurde mittels modified Harris Hip Score (mHHS) bzw. Oxford Knee Score (OKS) erfasst; die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde über den EQ-5D-5L erhoben.
Ergebnisse: Das mittlere Alter betrug 80,6 Jahre, es wurden 54,6% Frauen und 45,4% Männer eingeschlossen. Postoperativ traten bei allen Patienten (100%) Komplikationen auf, die eine erneute Intervention erforderlich machten. Im Durchschnitt wurden 7,1 (1–30) Komplikationen pro Patient verzeichnet. Häufigste Ursachen für eine Re-Operation waren die Dislokation der Dauerdrainage sowie die Bildung eines Abszesses mit Infektexazerbation bei einliegender Dauerdrainage. Für das gesamte Kollektiv entstanden 4.372 zusätzliche Krankenhaustage zur Behandlung der Komplikationen. Bei 21 (38,9%) Patienten mit chronischer periprothetischer Infektion des Kniegelenks erfolgte im Verlauf eine Oberschenkelamputation. Die Mortalität betrug im Studienzeitraum 38,0%. Der EQ-5D-5L lag mit 0,489 Punkten deutlich unter Durchschnittswerten (0,85–0,88) für eine gesunde Vergleichspopulation. In der Gruppe der Patienten mit chronischer periprothetischer Infektion des Hüftgelenks betrug der mHHS 48,5 (22–72) und in der Gruppe der Patienten mit chronischer periprothetischer Infektion des Kniegelenks der OKS 21,6 (8–40).
Diskussion und Schlussfolgerung: Die Dauerdrainage ist kein suffizientes Verfahren für einen revisionsfreien Gelenkerhalt. Hohe Komplikations- und Hospitalisierungsraten prägen den Verlauf. Trotz formalem Gelenkerhalt resultieren ein niedriges funktionelles Niveau und eine signifikant reduzierte Lebensqualität. Bestehen alternative Salvage-Optionen, sollte eine kritische Prüfung der Optionen erfolgen. Als Ultima Ratio erfordert die Dauerdrainage eine strikte Indikationsstellung, umfassende Aufklärung sowie eine engmaschige klinische Betreuung.



