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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Hohe Versagensraten und eingeschränkte Lebensqualität nach modularer Kniegelenksarthrodese nach gescheiterter Knie-TEP: Eine Multicenter-Studie

Christoph Tietje - Klinikum rechts der Isar, München, Deutschland
Benjamin Schlossmacher - Klinikum rechts der Isar, München, Deutschland
Vincent Lallinger - Klinikum rechts der Isar, München, Deutschland
Rüdiger von Eisenhart-Rothe - Klinikum rechts der Isar, München, Deutschland
Igor Lazic - Klinikum rechts der Isar, München, Deutschland
Florian Pohlig - Schön Klinik München Harlaching, München, Deutschland
Severin Langer - Klinikum rechts der Isar, München, Deutschland; BG Unfallklinik Murnau, Murnau am Staffelsee, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Die modulare Kniegelenksarthrodese (MKA) stellt eine extremitätenerhaltende Reserve-Option dar, wenn eine weitere Rekonstruktion bei fehlgeschlagener totaler Knieendoprothese (K-TEP) nicht mehr möglich ist. Die Datenlage nach einer solchen Versorgung ist bislang jedoch limitiert und heterogen. Ziel dieser multizentrischen Studie war die Analyse des Implantatüberlebens, des funktionellen Outcomes und der allgemeinen Lebensqualität sowie die Identifikation möglicher Risikofaktoren für ein Therapieversagen.

Material und Methoden: In diese retrospektive multizentrische Kohortenstudie wurden 85 Fälle eingeschlossen, die zwischen 2003 und 2024 nach fehlgeschlagener K-TEP mittels MKA versorgt wurden (Mindest-Follow-Up 12 Monate). Das mittlere Follow-Up lag hier bei 52 Monaten. Der primäre Endpunkt war das Implantatüberleben, definiert als das Ausbleiben eines (partiellen) Wechsels der Arthrodese oder einer definitiven Oberschenkelamputation. Sekundäre Endpunkte umfassten das revisions- und infektfreie Überleben, das funktionelle Outcome (Lower Extremity Function Score, LEFS) sowie die Lebensqualität der Patienten (EQ-5D-3L).

Ergebnisse: Das allgemeine Implantatüberleben betrug 70,6% (60/85). Es waren insgesamt 17 Revisionen der Arthrodese und 8 Oberschenkelamputationen erforderlich. Ein signifikanter Unterschied im Implantatüberleben zwischen septischen und aseptischen Indikationen zeigte sich nicht (71,2% vs. 69,2%; p=0.855). Zweizeitige Revisionen waren mit einem Implantatüberleben von 90,9% jedoch dem einzeitigen (57,7%; p=0.010) und mehrzeitigen Verfahren signifikant überlegen (67,6%; p=0.042). Eine hohe Zahl an Voroperationen (≥5) war mit einem signifikant erhöhten Versagensrisiko des Implantats assoziiert (HR 3,2; p = 0,006). Sekundäre Amputationen traten signifikant häufiger bei aseptischen (5/26) als bei septischen Indikationen (3/59) auf (19,2% vs. 5,1%; p = 0,042) und waren septisch bedingt ausschließlich infektiös (3/3 Fälle) begründet, aseptisch hingegen überwiegend schmerzassoziiert ohne strukturelles Versagen (3/5 Fälle). Unabhängig von Indikation, Zentrum oder Operationsstrategie und Risikofaktorenzeigten sich schlechte funktionelle Ergebnisse (mittlerer LEFS 21,6/80), sowie eine deutlich reduzierte Lebensqualität (mittlerer EQ-5D-3L-Index 0,612).

Diskussion und Schlussfolgerung: MKAs stellen eine Reserve-Option nach gescheiterter K-TEP dar, weisen jedoch nur ein moderates Implantatüberleben sowie eine moderate Infektkontrolle auf und sind mit schlechten funktionellen Ergebnissen und einer eingeschränkten Lebensqualität vergesellschaftet. Die Indikationsstellung zur MKA sollte daher äußerst kritisch als Ultima Ratio erfolgen. In Zukunft sind weitere vergleichende Studien – insbesondere zur Oberschenkelamputation als Alternative – notwendig.