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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Der unikondyläre Gelenkersatz bei Patienten mit Morbus Parkinson

Conradin Schweizer - Orthopädische Klinik Paulinenhilfe, Diakonie-Klinikum Stuttgart, Stuttgart, Deutschland
Tatjana Krug - Orthopädische Klinik Paulinenhilfe, Diakonie-Klinikum Stuttgart, Stuttgart, Deutschland
Solongo Abdulai - Orthopädische Klinik Paulinenhilfe, Diakonie-Klinikum Stuttgart, Stuttgart, Deutschland
Joachim Herre - Orthopädische Klinik Paulinenhilfe, Diakonie-Klinikum Stuttgart, Stuttgart, Deutschland
Peter Aldinger - Orthopädische Klinik Paulinenhilfe, Diakonie-Klinikum Stuttgart, Stuttgart, Deutschland
Christian Merle - Orthopädische Klinik Paulinenhilfe, Diakonie-Klinikum Stuttgart, Stuttgart, Deutschland
Wenzel Waldstein - Orthopädische Klinik Paulinenhilfe, Diakonie-Klinikum Stuttgart, Stuttgart, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Patienten mit Morbus Parkinson (MP) stellen eine vulnerable Patientengruppe mit erhöhtem Risiko für perioperative Komplikationen, Revisionen und eingeschränkter postoperativer Gelenkfunktion dar. Die klinischen Ergebnisse nach Implantation einer unikondylären Knieendoprothese (UKA) als weniger invasive Alternative zur Knietotalendoprothese ist in dieser Patientengruppe bislang nur unzureichend untersucht. Ziel dieser Studie war es, das Implantatüberleben, die Reoperationsrate, funktionelle und radiologische Ergebnisse nach medialer oder lateraler UKA bei Patienten mit MP zu analysieren.

Material und Methoden: In dieser retrospektiven Studie wurden 42 Kniegelenke bei 39 MP-Patienten (Follow-up Rate 90 %) untersucht, die zwischen 2016 und 2022 eine mediale oder laterale UKA erhielten (Mobile-Bearing Oxford® Partial Knee und Oxford® Fixed-Lateral, Zimmer/Biomet). Die Indikation zum Teilgelenksersatz wurde anhand der Oxford-Kriterien gestellt. Das durchschnittliche Patientenalter betrug 70,6±9,1 Jahre, der mittlere BMI (Body-Mass-Index) 27,9±5,2kg/m² und 54% waren Männer. Insgesamt wurden 26 mediale (14% zementfrei) und 16 laterale UKAs implantiert. Die Datenerhebung erfolgte im Rahmen eines strukturierten Telefoninterviews. Das durchschnittliche Follow-up lag bei 5,0±2,0 Jahren mit einem Nachbeobachtungszeitraum von mindestens 2,5 Jahren. Mittels Kaplan-Meier Analyse wurde das kumulative 9-Jahres-Überleben für die Endpunkte Implantatrevision (Wechsel von Femur- und/oder Tibiakomponente) sowie Reoperation bestimmt. Funktionelle Ergebnisse wurden anhand des Oxford Knee Score (OKS) und des UCLA Activity Scores erhoben. Die radiologische Analyse umfasste den prä- und postoperativen mechanischen Beinachsenwinkel.

Ergebnisse: Das kumulative 9-Jahres-Überleben für den Endpunkt Implantatrevision betrug 90,5% (95%-KI: 81,7–99,3) und für den Endpunkt Reoperation 85,7% (95%-KI: 75,1–96,3) (Abbildung 1 [Abb. 1]). Insgesamt traten 6 Reoperationen auf, darunter waren die Indikation und Therapie: Anschlussarthrose (n=3; Wechsel auf Totalendoprothese (TKA) (n=2), additiver UKA (n=1)), aseptische Lockerung der zementierten tibialen Komponente (n=1; Wechsel der tibialen Komponente), periprothetische Fraktur (n=1; Wechsel auf TKA) und Frühinfekt (n=1; Implantaterhalt). Der OKS verbesserte sich signifikant von 16,2±5,5 auf 39,6± 7,1 (p=0,027), der UCLA Activity Score stieg von 4,0±2,0 auf 5,0±1,7 (p=0,078). Der mittlere mechanische Beinachsenwinkel änderte sich signifikant sowohl nach medialer UKA von 8,7°± 8.7 varus auf 3,6° ± 3,6 varus als auch nach lateraler UKA von 8,5° ± 3,3 valgus auf 2,9°± 2,9 valgus (p<0,001).

Abbildung 1

Diskussion und Schlussfolgerung: Der Teilgelenksersatz zeigt bei Patienten mit MP ein gutes mittelfristiges Implantatüberleben und sehr gute funktionelle Ergebnisse. Als bislang größte Studie zu diesem Thema liefert diese Arbeit wichtige Erkenntnisse zur Rolle der minimalinvasiven UKA bei Parkinson-Patienten und unterstützt den Einsatz als effektive und klinisch relevante Alternative zur Totalendoprothese.