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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Entwicklung der Sprunggelenksachse über den Zeitraum der wachstumslenkenden kniegelenksnahen Hemiepiphysiodese zur Korrektur des kindlichen Genu valgum

Robert Hennings - Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig, Deutschland
Lisa Wachter - Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig, Deutschland
Thiebaut Hiegel - Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig, Deutschland
Christoph-Eckhard Heyde - Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig, Deutschland
Eckehard Schumann - Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Genua valga stellen die häufigste koronare Achsfehlstellung des Kindes dar. Die Ganzbeinaufnahme ist die Grundlage der radiologischen Diagnostik. Voraussetzung für eine valide Beurteilung ist die parallele Ausrichtung der Femurkondylen sowie die zentrale Patellaposition. Um diese Qualitätskriterien zu erfüllen, müssen die Beine rotiert werden, was die Stellung der Füße verändert und die exakte Bestimmung des lateralen distalen Tibiawinkels (LDTA) aufgrund projektionsbedingter Rotationsfehlers erschwert. Ziel der Studie ist die Entwicklung der Sprunggelenksachse, gemessen am LDTA, über den Verlauf der wachstumslenkenden kniegelenksnahen Hemiepiphysiodese (k-HED) bei kindlichem Genu valgum zu analysieren.

Material und Methoden: In dieser retrospektiven Analyse wurden 74 Kinder (65 Kinder bds., 9 Kinder einseitig) mit insgesamt 139 behandelten Extremitäten eingeschlossen. Als Endpunkt galt der Zeitpunkt der vollständigen Materialentfernung nach abgeschlossener Wachstumslenkung. Radiologisch bestimmt wurden der anatomische femorotibiale Winkel (aFTA), der anatomische laterale distale Femurwinkel (aLDFA), der mechanische mediale proximale Tibiawinkel (mMPTA) sowie der LDTA jeweils prä- und postinterventionell mittels digitaler CAD-Analyse. Der Studie lag die Nullhypothese zugrunde, dass sich der LDTA im Verlauf der k-HED nicht verändert. Es erfolgten t-/U-Tests, Signifikanzniveau p≤0.05.

Ergebnisse: Radiologisch bestanden bei 62 Beinen (45%; bi-Gruppe) ein kombinierter Knie- und OSG-Valgus, bei 77 Beinen (55%) eine isolierter Knie-Valgus (mono-Gruppe). Die bi-Gruppe wies geringere aFTA (169°±3° vs. 171°±2°; p<0.05) und geringere LDTA (82°± 3° vs 88°±2°, p<0.05) im Vergleich zur mono-Gruppe auf. Die übrigen Winkel waren ohne Unterschied. Insgesamt vergrößerte sich der LDTA um 0.5°±2,7°. Die bi-Gruppe zeigte zeigte eine Vergrößerung des LDTA um 1,8°±3° im Vergleich zur mono-Gruppe mit einer Verringerung von -0,6°±2° (p<0.05). Nach Beendigung der k-HED wiesen 43 Sprunggelenke (69%) der bi-Gruppe weiterhin einen LDTA<86° und 19 Sprunggelenkes (31%) einen LDTA im unteren Referenzbereich auf. Der aFTA beider Gruppen war nach Abschluss der k-HED ohne Unterschied (p=0,954), der LDTA unterschied sich weiterhin (84°±4° vs 88°±2°; p<0.05).

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Ergebnisse belegen eine hohe Prävalenz kombinierter Achsfehlstellungen in der Ganzbeinaufnahme. Die angenommene rotationsbedingte Verfälschung des LDTA bleibt nach Korrektur der Knieachse meist bestehen. Bei radiologisch kombinierter Fehlstellung sollte daher neben der Knieanalyse eine gezielte Untersuchung des Rückfußes erfolgen, gegebenenfalls ergänzt durch eine sprunggelenkszentrierte Bildgebung, um biartikuläre Deformitäten frühzeitig zu erkennen, insbesondere bei klinisch asymptomatischen Kindern.