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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Vorstellung einer neuen Klassifikation für Frakturen des Dens in Funktionsaufnahmen: Die Functional Dens Fracture Classification (FDFC)

Nora Anais Koenemann - Universitätsklinikum Augsburg, Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Plastische und Handchirurgie, Augsburg, Deutschland
Sebastian Schmid - Universitätsklinikum Augsburg, Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Plastische und Handchirurgie, Augsburg, Deutschland
Stefan Schmid - Universitätsklinikum Augsburg, Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Plastische und Handchirurgie, Augsburg, Deutschland
Timon Röttinger - Universitätsklinikum Augsburg, Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Plastische und Handchirurgie, Augsburg, Deutschland
Thomas Grieser - Universitätsklinikum Augsburg, Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie, Ausgburg, Deutschland
Edgar Mayr - Universitätsklinikum Augsburg, Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Plastische und Handchirurgie, Augsburg, Deutschland
Christopher Hartwig - Universitätsklinikum Augsburg, Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Plastische und Handchirurgie, Augsburg, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Frakturen des Dens stellen in der klinischen Praxis, insbesondere bei geriatrischen Patienten, eine diagnostische und therapeutische Herausforderung dar. Funktionsaufnahmen der Halswirbelsäule im CT ermöglichen eine Beurteilung der Fragmentstellung und bieten zusätzliche Informationen zur Stabilität der Verletzung. Ziel dieser Arbeit ist die Vorstellung einer neu entwickelten Klassifikation, der Functional Dens Fracture Classification (FDFC), die auf der Fragmentbewegung in CT-Funktionsaufnahmen basiert.

Material und Methoden: In einer retrospektiven Analyse wurden CT-Funktionsaufnahmen über einen Zeitraum von drei Jahren ausgewertet. Die Aufnahmen erfolgten bei Patienten mit gesicherter Dens-Fraktur unter ärztlicher Aufsicht in maximaler Inklinations- und Reklinationsposition der Halswirbelsäule. Die Primärdiagnostik konnte aufgrund mangelnder Standardisierbarkeit nicht als Referenz in Neutralstellung berücksichtigt werden. Die Beurteilung erfolgte anhand der Fragmentstellung in der Sagittalebene in Inklination sowie der Veränderung in Reklination.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 66 Patienten eingeschlossen (medianes Alter 83 Jahre). Der häufigste Frakturtyp war Anderson & D’Alonzo Typ II (n = 40), gefolgt von Kombinationsverletzungen (n = 10), atypischen Densfrakturen (n = 5) und Typ III-Frakturen (n = 6). Typ-I-Frakturen sowie Pseudarthrosen wurden in 5 Fällen beobachtet. Die FDFC umfasst insgesamt 8 Funktions-Typen (s. Abbildung 1 [Abb. 1]). Die Klassifikation basiert auf:Startmorphologie in Inklination (Typ 1–3) Veränderung der Fragmentstellung in Reklination (a–c). Typ 1: Ventraler Fragmentversatz in Inklination– Persistenz (1a), Neutralisation (1b) oder dorsaler Versatz in Reklination (1c). Typ 2: Kein Versatz in Inklination– Persistenz (2a), relevante dorsale Abkippung (2b) oder dorsaler Versatz in Reklination (2c). Typ 3: Dorsaler Fragmentversatz in Inklination– Persistenz (3a) oder weitere dorsale Dislokation oder Abkippung in Reklination (3b). Die Behandlungsverteilung zeigte:– FDFC 1a: vollständig konservative Therapie– FDFC 2a/2b: überwiegend konservative Therapie– FDFC 1b/1c: etwa gleich häufig operative und konservative Versorgung– FDFC 3a und 2c: operative Versorgung wäre teilweise indiziert gewesen, wurde jedoch in mehreren Fällen abgelehnt, weshalb ein ausgeglichenes Verhältnis resultierte.

Abbildung 1

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Functional Dens Fracture Classification (FDFC) erlaubt eine qualitative Beurteilung der dynamischen Fragmentbewegung in CT-Funktionsaufnahmen und trägt zu einer verbesserten Vergleichbarkeit der Frakturmorphologien bei. Unsere Daten zeigen, dass die Frakturen der Typen FDFC 1a, 2a und 2b in den meisten Fällen konservativ behandelt werden können. Weitere Studien zur klinischen Relevanz sowie zur Interobserver-Reliabilität sind notwendig, um den Stellenwert der FDFC in der Therapieentscheidung weiter zu validieren. Die Klassifikation hat das Potenzial, die klinische Entscheidungsfindung zu verbessern und eine individuellere Therapieplanung zu ermöglichen.