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42. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP)

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.
16.-19.09.2026
Starnberg

Poster

Hörermüdung bei Kindern mittels Fragebogen erfassen: Übersetzung und kulturelle Adaption der Vanderbilt Fatigue Scale-Paediatric zur Befragung von Kindern, Eltern und Lehrkräften

S. Dockter - Universitäts-Hals-Nasen-Ohrenklinik, Phoniatrie und Pädaudiologie, Essen, Deutschland
E. Pützer - Universität Duisburg-Essen, Institut für Sonderpädagogik, Pädagogik und Didaktik im Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation, Essen, Deutschland
K. Schäfer - Universität Duisburg-Essen, Institut für Sonderpädagogik, Pädagogik und Didaktik im Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation, Essen, Deutschland

Zusammenfassung

Hintergrund: In anspruchsvollen Hörumgebungen beansprucht Zuhören kognitive Ressourcen wie Aufmerksamkeit und Konzentration, was zu einer erhöhten Ermüdung führen kann. Bei Kindern mit Hörbeeinträchtigungen ist dieser Aufwand besonders hoch, da sie zusätzliche Anstrengungen aufbringen müssen, um ein eingeschränktes akustisches Signal zu verarbeiten. Erste Untersuchungen zeigen, dass diese Kinder im Vergleich zu gut hörenden Gleichaltrigen stärker von Hörermüdung betroffen sind. Dies kann sich beispielsweise durch verstärkte Müdigkeit, reduzierte Aufmerksamkeit oder erhöhte Ablenkbarkeit am Ende eines Schultages äußern. Zur Erfassung dieses Phänomens wurde die Vanderbilt Fatigue Scale – Pediatric Version (VFS-Peds) entwickelt. Sie umfasst drei Perspektiven: die Selbsteinschätzung der Kinder, die Einschätzung durch Erziehungsberechtigte sowie die Beurteilung durch Lehrkräfte. Ein entsprechendes Instrument lag bislang nicht in deutscher Sprache vor. In einem vorangegangenen Projekt wurden daher alle drei Versionen des Fragebogens systematisch ins Deutsche übertragen.

Material und Methode: Das hier vorgestellte Forschungsvorhaben hatte zum Ziel, die Verständlichkeit dieser adaptierten Versionen zu überprüfen. Hierfür wurden Interviews mit jeweils 5–10 Kindern, Erziehungsberechtigten und Lehrkräften durchgeführt. Die Teilnehmenden füllten den Fragebogen aus und verbalisierten dabei ihre Gedanken („Lautes Denken“), um mögliche Verständnisprobleme sichtbar zu machen.

Ergebnisse: Auf Grundlage der Ergebnisse dieser Interviews werden Übersetzungsanpassungen und kulturelle Adaptionen vorgenommen, um die Verständlichkeit der Fragebögen zu sichern. Diese werden auf der DGPP 2026 präsentiert.

Schlussfolgerung: Im nächsten Schritt ist eine Pilotstudie geplant, in der die überarbeiteten Fragebögen von jeweils etwa 50 Personen pro Zielgruppe hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit getestet werden. Darauf aufbauend folgt eine Validierungsstudie mit jeweils rund 200 Teilnehmenden pro Gruppe. Psychometrische Kennwerte wie Reliabilität und Validität werden überprüft. Ziel des Gesamtprojekts ist die Bereitstellung eines verständlichen, zuverlässigen und validen Instruments zur Erfassung von Hörermüdung bei Kindern im deutschsprachigen Raum für den Einsatz in Forschung und klinischer Praxis.

Text

Einleitung

Unser Gehör ist ein komplexes Sinnesorgan, das uns mit unserer Umwelt verbindet und Kommunikation und soziale Interaktion ermöglicht. Zudem fördert es unsere kognitive Leistungsfähigkeit. Gutes Hören trägt zur sozialen Teilhabe bei und ist somit ein zentraler Bestandteil der Gesundheit. Durch eine laute Umgebung oder durch Nachhall kann das Hören jedoch deutlich beeinträchtigt werden. Zuhören beansprucht in diesen Situationen zusätzliche kognitive Ressourcen wie Aufmerksamkeit und Konzentration, was zu einer erhöhten Ermüdung führen kann [1]. McGarrigle et al. beschreiben einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der durch das Zuhören bedingten Anstrengung und der Ermüdung [2].

Bei Kindern mit Hörbeeinträchtigung ist dieser Aufwand besonders hoch, da sie zusätzliche Anstrengung aufbringen müssen, um ein eingeschränktes akustisches Signal zu verarbeiten. Erste Untersuchungen zeigen, dass diese Kinder im Vergleich zu gut hörenden Gleichaltrigen stärker von Hörermüdung betroffen sind [3]. Dies kann sich beispielsweise durch verstärkte körperliche Müdigkeit, reduzierte Aufmerksamkeit oder erhöhte Ablenkbarkeit am Ende eines Schultages äußern [4].

Aber nicht nur die kognitive und die physische Ebene sind von der Ermüdung betroffen, sondern auch emotionale und soziale Entwicklungsbereiche. Eine Beeinträchtigung der Kommunikation führt so z.B. zu Frustration und Enttäuschung und nicht selten zu sozialem Rückzug.

Die durch das Zuhören verursachte Ermüdung ist somit vielschichtig. Abhängig von den äußeren akustischen Parametern, der eigenen Hörfähigkeit, dem inneren kognitiven und motivationalen Zustand sowie den individuellen Bewältigungsstrategien führt sie zu einer individuell unterschiedlich ausgeprägten Beeinträchtigung der Lebensqualität [3], [4], [5].

Zur Erfassung der Hörermüdung in ihren vier Dimensionen steht seit 2021 für Erwachsene bereits die Vanderbilt Fatigue Scale-Adult (VFS-A) in der Originalsprache Englisch zur Verfügung [6] und seit 2024 die deutsche Übersetzung. Zur Erfassung des Phänomens der Hörermüdung bei Kindern wurde die Vanderbilt Fatigue Scale-Pediatric (VFS-Peds) entwickelt [7]. Die Skala ermittelt die Hörermüdung in drei Perspektiven: Selbsteinschätzung der Kinder, Einschätzung durch Erziehungsberechtigte sowie Beurteilung durch Lehrkräfte. Weder die Vanderbilt Fatigue Scale noch ein vergleichbares Instrument lagen bislang in deutscher Sprache vor. In einem vorangegangenen Projekt wurden daher alle drei Versionen des Fragebogens systematisch ins Deutsche übertragen.

Das hier vorgestellte Forschungsvorhaben hat zum Ziel, die Verständlichkeit dieser adaptierten Versionen zu überprüfen und die vorliegenden Fragebögen ggf. zu korrigieren, um abschließend eine gut verständliche Fragebogenversion für Klinik und Forschung zur Verfügung zu haben.

Material und Methoden

Entsprechend den Empfehlungen von Hall et al. [8] wurden die ins Deutsche adaptierten Fragebogenversionen mit Hilfe von kognitiven Interviews auf ihre Verständlichkeit überprüft.

Hierfür wurden Interviews mit jeweils 5 bis 10 Kindern, Erziehungsberechtigten und Lehrkräften durchgeführt. Die Teilnehmenden wurden gebeten, den Fragebogen auszufüllen und dabei den Text laut zu lesen und ihre Gedanken zu verbalisieren („Lautes Denken“). Mögliche Verständnisprobleme wurden so sichtbar gemacht.

Ergebnisse

Auf Grundlage der Ergebnisse dieser Interviews wurden kleinere Übersetzungsanpassungen bzw. kulturelle Adaptionen vorgenommen, um die Verständlichkeit der Fragebögen zu sichern. Diese werden auf der DGPP 2026 präsentiert. Die Fragebögen werden abschließend, nach Begutachtung durch den Autor der Originalversion, in ihrer korrigierten Form auf der Website der Vanderbilt University veröffentlicht: https://www.vumc.org/vfs/sites/default/files/public_files/VFS/VFS-Peds_German_NoScoring.pdf

Fazit/Schlussfolgerung

Im nächsten Schritt ist eine Pilotstudie geplant, in der die überarbeiteten Fragebögen von jeweils etwa 50 Personen pro Zielgruppe hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit getestet werden. Darauf aufbauend folgt eine Validierungsstudie mit jeweils rund 200 Teilnehmenden pro Gruppe. Psychometrische Kennwerte wie Reliabilität und Validität werden überprüft. Ziel des Gesamtprojekts ist die Bereitstellung eines verständlichen, zuverlässigen und validen Instruments zur Erfassung von Hörermüdung bei Kindern im deutschsprachigen Raum für den Einsatz in Forschung und klinischer Praxis.


Literatur

[1] Bess FH, Hornsby BW. Commentary: listening can be exhausting--fatigue in children and adults with hearing loss. Ear Hear. 2014 Nov-Dec;35(6):592-9. DOI: 10.1097/AUD.0000000000000099
[2] McGarrigle R, Munro KJ, Dawes P, Stewart AJ, Moore DR, Barry JG, Amitay S. Listening effort and fatigue: what exactly are we measuring? A British Society of Audiology Cognition in Hearing Special Interest Group 'white paper'. Int J Audiol. 2014 Jul;53(7):433-40. DOI: 10.3109/14992027.2014.890296
[3] Adams B, Thornton SK, Naylor G, Spriggs RV, Wiggins IM, Kitterick PT. Exploring listening-related fatigue in children with and without hearing loss using self-report and parent-proxy measures. Front Pediatr. 2023 Feb 28;11:1127578. DOI: 10.3389/fped.2023.1127578
[4] Davis H, Schlundt D, Bonnet K, Camarata S, Hornsby B, Bess FH. Listening-Related Fatigue in Children With Hearing Loss: Perspectives of Children, Parents, and School Professionals. Am J Audiol. 2021 Dec 9;30(4):929-40. DOI: 10.1044/2021_AJA-20-00216
[5] Kramer SE, Kapteyn TS, Houtgast T. Occupational performance: comparing normally-hearing and hearing-impaired employees using the Amsterdam Checklist for Hearing and Work. Int J Audiol. 2006 Sep;45(9):503-12. DOI: 10.1080/14992020600754583
[6] Hornsby BWY, Camarata S, Cho SJ, Davis H, McGarrigle R, Bess FH. Development and validation of the Vanderbilt Fatigue Scale for Adults (VFS-A). Psychol Assess. 2021 Aug;33(8):777-88. DOI: 10.1037/pas0001021
[7] Hornsby BWY, Camarata S, Cho SJ, Davis H, McGarrigle R, Bess FH. Development and Evaluation of Pediatric Versions of the Vanderbilt Fatigue Scale for Children With Hearing Loss. J Speech Lang Hear Res. 2022 Jun 8;65(6):2343-63. DOI: 10.1044/2022_JSLHR-22-00051
[8] Hall DA. A good practice guide for translating and adapting hearing-related questionnaires for different languages and cultures. Int J Audiol. 2017:161-75. DOI: 10.31234/osf.io/nvx64