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42. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP)

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.
16.-19.09.2026
Starnberg

Poster

Langzeit-Outcome bei initialem Restgehör bei CI-versorgten Kindern

J. Döge - Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Abteilung für Kommunikationsstörungen, Mainz, Deutschland
B. P. Ernst - Universitätsmedizin Frankfurt, Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Frankfurt am Main, Deutschland
A. Bohnert - Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Abteilung für Kommunikationsstörungen, Mainz, Deutschland; Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Abteilung Audiologische Akustik, Mainz, Deutschland
D. Gazibegovic - Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Abteilung Audiologische Akustik, Mainz, Deutschland
A. K. Läßig - Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Abteilung für Kommunikationsstörungen, Mainz, Deutschland

Zusammenfassung

Hintergrund: Der Tieftonrestgehör-Erhalt nach Cochlea-Implantation (CI) bei Kindern mit Indikation zur elektrischen-akustischen Stimulation (EAS) ist klinisch relevant. Zwar gelingt kurzfristig häufig ein funktioneller Hörerhalt, die langfristige Entwicklung im Kindesalter sowie das funktionelle Outcome sind jedoch unzureichend geklärt.

Ziel ist die Analyse der Langzeitentwicklung des Tieftonrestgehörs bei pädiatrischen CI-Träger:innen sowie des Outcomes (Sprachverstehen, Trageverhalten, Elektrodeninsertionstiefe, postoperativer Hörverlust und bildbasierte präoperative Planungsansätze).

Material und Methode: Retrospektive Kohortenanalyse von 21 CI-versorgten Ohren (12 pädiatrische, 3 Erwachsene mit EAS: MED-EL: FLEX24 n=20, FLEX20 n=1) mit Betrachtung der audiometrischen Daten, der 12-Monats-Verläufe, der Elektrodeninsertionstiefe und Korrelation mit dem Hörverlust bei 500 Hz und Tiefton-PTA (125–500 Hz). Der Langzeitverlauf wurde ausschließlich im pädiatrischen Kollektiv bis zu 60 Monate nach Implantation (n=8 Ohren) inkl. sprachaudiometrische Daten (n=14 Ohren, n=2 Lost to follow-up) untersucht. Post-hoc-Simulationen zur präoperativen Planung erfolgten mittels OTOPLAN.

Ergebnisse: Postoperativ zeigte sich ein mittlerer Tiefton-PTA von 57,7 ± 27,2 dB HL mit Trend zu stärkerem Hörverlust bei zunehmender Insertionstiefe, insbesondere im apikalen Cochlea-Abschnitt. Initial zeigte sich ein signifikanter Abfall des Restgehörs im Tieftonbereich, während die Schwellen nach 12 Monaten insgesamt stabil blieben. Im pädiatrischen Langzeitverlauf bis zu 5 Jahren ergab sich ein mittlerer Tiefton-PTA von 50,8 ± 20,7 dB HL. Vier Ohren mit initial deutlich schlechteren Schwellen (62,9 ± 8,9 dB HL) und früher rein elektrischer Nutzung wurden aufgrund fehlender Verlaufsdaten nicht in die Langzeitanalyse eingeschlossen. Das Sprachverstehen unter elektrischer Stimulation war insgesamt gut (Einsilber bei 65/80 dB: 68,5%/77,9%). Das Trageverhalten war bei beidseitig hochgradig schwerhörigen Patient:innen stabil, bei einseitiger Taubheit geringer (n=3: 1 Non-User, 1 limited User, 1 Lost to follow-up).

Schlussfolgerung: Bei Kindern mit EAS zeigt sich eine begrenzte Langzeitstabilität des Tieftonrestgehörs bei gleichzeitig gutem funktionellem Sprachoutcome unter elektrischer Stimulation. Die Elektrodeninsertionstiefe ist ein relevanter Einflussfaktor für den postoperativen Tieftonhörverlust. Bei cochleären Fehlbildungen bleibt der Einsatz kürzerer Elektroden bedeutsam, eine präoperative bildbasierte Planung ist hierfür essenziell.

Text

Hintergrund

Der Restgehör-Erhalt im Tieftonbereich nach Cochlea-Implantation (CI) bei Kindern mit Indikation zur elektrischen-akustischen Stimulation (EAS) ist klinisch relevant. In diesen Fällen besteht die Möglichkeit, tieffrequente Hörinformationen akustisch und hochfrequente Hörinformationen elektrisch bereitzustellen. Obwohl kurzfristig häufig ein funktioneller Hörerhalt erreicht wird, sind die langfristige Entwicklung im Kindesalter sowie das funktionelle Outcome unzureichend geklärt.

Ziel ist die Analyse der Langzeitentwicklung des Restgehörs im Tieftonbereich bei pädiatrischen CI-Träger:innen sowie des Outcomes (Sprachverstehen, Trageverhalten). Darüber hinaus erfolgte die Einordnung der Ergebnisse unter Berücksichtigung früherer Untersuchungen zu postoperativem Hörverlust, Elektrodeninsertionstiefe und bildbasierten präoperativen Planungsansätzen.

Methoden

Diese Analyse basiert auf einer zuvor durchgeführten retrospektiven Kohortenstudie von 21 cochleaimplantierten Ohren (12 pädiatrische, 3 Erwachsene; MED-EL FLEX24: n = 20, FLEX20: n = 1), in der audiometrische Daten, 12-Monats-Verläufe, Elektrodeninsertionstiefe sowie Korrelationen mit dem Hörverlust bei 500 Hz und der Tiefton-PTA (125–500 Hz) untersucht wurden. Ergänzend wurden post-hoc Simulationen zur präoperativen Planung mittels OTOPLAN durchgeführt.

Die vorliegende Untersuchung erweitert diese Kohorte um eine Langzeit-Follow-up-Analyse im pädiatrischen Kollektiv bis zu 60 Monate nach Implantation (n = 8 Ohren), einschließlich sprachaudiometrischer Daten (n = 14 Ohren; n = 2 lost to follow-up). Die Langzeitdaten werden dabei in Bezug zu den zuvor beschriebenen kurz- und mittelfristigen Ergebnissen gesetzt.

Ergebnisse

In der zuvor durchgeführten Kohortenanalyse zeigte sich postoperativ ein mittlerer Tiefton-PTA von 57,7 ± 27,2 dB HL, mit einem Trend zu stärkerem Hörverlust bei zunehmender Elektrodeninsertionstiefe, insbesondere im apikalen Cochlea-Abschnitt. Initial wurde ein signifikanter Abfall des Restgehörs im Tieftonbereich beobachtet, während die Schwellen nach 12 Monaten insgesamt stabil blieben.

Im erweiterten pädiatrischen Langzeit-Follow-up bis zu 5 Jahren ergab sich bei 8 Ohren ein mittlerer Tiefton-PTA von 50,8 ± 20,7 dB HL. Vier weitere Ohren mit bereits in den ersten 2–16 Monaten deutlich schlechteren Hörschwellen (62,9 ± 8,9 dB HL) wurden bei rein elektrischer Nutzung nicht weiter audiometrisch nachverfolgt und konnten daher nicht in die Langzeitanalyse einbezogen werden. Unter Berücksichtigung der jeweils letzten verfügbaren Messung aller 12 Ohren lag die mittlere Hörschwelle bei 500 Hz bei 79 dB HL und bei 1 kHz bei 100 dB HL.

Das Sprachverstehen unter elektrischer Stimulation war insgesamt gut (mittlere Nachbeobachtungszeit 91 Monate; n= 14 Ohren) mit Einsilberverstehen bei 65/80 dB von 69/78%. Der mittlere OLSA betrug -2,4 dB SNR.

Das Trageverhalten war bei beidseitig hochgradig schwerhörigen Patient:innen stabil. Bei einseitiger Taubheit zeigte sich dagegen eine eingeschränkte Akzeptanz (n = 3: 1 Non-User, 1 Limited User, 1 Lost to follow-up); bei fehlender Nutzung wurde kein Zahlenverstehen erreicht.

Diskussion

Der Restgehör-Erhalt im Tieftonbereich ist bei Kindern mit Cochlea-Implantat funktionell relevant, da für die elektrische-akustische Stimulation Vorteile im Sprachverstehen, insbesondere im Störgeräusch beschrieben wurden [1], [2]. In der vorliegenden Kohorte zeigte sich der größte Verlust des Restgehörs im Tieftonbereich unmittelbar nach der Implantation. Nach einer weitgehenden Stabilisierung im ersten postoperativen Jahr kam es im Langzeitverlauf zu einem weiteren, jedoch geringeren Abfall der Hörschwellen. Die Aussagekraft der Langzeitdaten ist durch die kleine Fallzahl und fehlende Verlaufsdaten bei vier frühzeitig rein elektrisch versorgten Ohren limitiert.

Das Sprachverstehen war unter elektrischer Stimulation insgesamt gut. Im Langzeitverlauf zeigte sich eine mittlere Hörschwelle von 79 dB HL bei 500 Hz, wodurch die audiometrischen Voraussetzungen für eine elektrische-akustische Stimulation in einem Teil der Kohorte nicht mehr erfüllt waren [3].

Das stabile Trageverhalten steht im Einklang mit der Literatur, die insgesamt hohe und langfristig stabile Nutzungsraten von Cochlea-Implantaten im Kindesalter beschreibt [4]. Nicht-Nutzung tritt selten auf und ist häufig mit eingeschränktem funktionellem Nutzen assoziiert. In der vorliegenden Kohorte zeigte sich eine reduzierte Akzeptanz insbesondere bei einseitiger Versorgung mit gleichzeitig eingeschränktem Sprachverstehen, sodass hier eine engmaschige postoperative Betreuung erforderlich erscheint.

Fazit/Schlussfolgerung

Bei Kindern mit EAS-Indikation zeigt sich eine begrenzte Langzeitstabilität des Restgehörs im Tieftonbereich bei gleichzeitig gutem funktionellem Sprachverstehens-Outcome unter elektrischer Stimulation. Die Elektroden-Insertionstiefe ist ein relevanter Einflussfaktor für den postoperativen Tieftonhörverlust. Bei cochleären Fehlbildungen bleibt der Einsatz kürzerer Elektroden bedeutsam, eine präoperative bildbasierte Planung ist hierfür essenziell.


Literatur

[1] Rader T, Adel Y, Fastl H, Baumann U. Speech Perception With Combined Electric-Acoustic Stimulation: A Simulation and Model Comparison. Ear Hear. 2015 Nov-Dec;36(6):e314-25. DOI: 10.1097/AUD.0000000000000178
[2] Park LR, Teagle HFB, Gagnon E, Woodard J, Brown KD. Electric-Acoustic Stimulation Outcomes in Children. Ear Hear. 2019 Jul/Aug;40(4):849-57. DOI: 10.1097/AUD.0000000000000658
[3] Helbig S, Adel Y, Leinung M, Stöver T, Baumann U, Weissgerber T. Hearing Preservation Outcomes After Cochlear Implantation Depending on the Angle of Insertion: Indication for Electric or Electric-Acoustic Stimulation. Otol Neurotol. 2018 Aug;39(7):834-41. DOI: 10.1097/MAO.0000000000001862
[4] Contrera KJ, Choi JS, Blake CR, Betz JF, Niparko JK, Lin FR. Rates of long-term cochlear implant use in children. Otol Neurotol. 2014 Mar;35(3):426-30. DOI: 10.1097/MAO.0000000000000243