28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Analyse der Ist-Situation und Verbesserungspotenziale des Neugeborenenhörscreenings in DE unter Berücksichtigung verschiedener Geburtssettings – Ergebnisse der nationalen quantitativen Fragebogenerhebung
Text
Fragestellung: Das Neugeborenenhörscreening wurde 2009 in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen [1]. Eine Evaluation in den Jahren 2017/2018 zeigt eine Screeningrate von 86,1%. Es lassen sich erhebliche Unterschiede der dokumentierten Screeningraten zwischen den Bundesländern mit 29,5–99,7% (2018) erkennen. Nur 42,4% (2018) aller Geburtseinrichtungen erreichten die geforderte Screeningrate von über 95%. Die Refer-Rate liegt bundesweit bei 6,0% (2018) [2]. Insbesondere ambulante und außerklinische Geburten weisen im Vergleich zu stationären Geburten organisatorische Herausforderungen auf. Auf Basis der in einer qualitativen Erhebung (N=18) identifizierten Kategorien (u.a. Kommunikation, Verantwortlichkeiten, Ressourcen, technische Ausstattung und Schulungsbedarf), wurde ein standardisierter Fragebogen entwickelt. Ziel der nun aktiv laufenden quantitativen Phase ist die bundesweite Erhebung der Prozessqualität und die Überprüfung der zuvor qualitativ ermittelten Hypothesen.
Methode: Die nationale Online-Befragung richtet sich an Fachakteur:innen, die unmittelbar am Prozess des Neugeborenenhörscreenings beteiligt sind. Hierzu zählen Hebammen (klinisch und außerklinisch), Fachärzt:innen für Geburtshilfe und Gynäkologie, Pädiatrie, HNO/Audiologie, Mitarbeitende der Funktionsdiagnostik, Pflege, MTA-F/MFA sowie Mitarbeitende der Screening- und Trackingzentralen. Der standardisierte Fragebogen umfasst 48 Likert-Items und prüft u.a. die wahrgenommene Prozessqualität, Verantwortlichkeiten, Kommunikationsstrukturen, Ressourcenausstattung, technische Sicherheit und Schulungsbedarfe. Die Befragung wird im Zeitraum von Dezember 2025 bis Januar 2026 durchgeführt. Die statistische Auswertung erfolgt deskriptiv und inferenzstatistisch. Geplant sind explorative und konfirmatorische Faktorenanalysen, Reliabilitätsprüfungen sowie Hypothesentests zur Untersuchung berufs- und settingbezogener Unterschiede. Ergänzend erfolgen Gruppenvergleiche zwischen klinischen, ambulanten und außerklinischen Versorgungssettings.
Ergebnisse: Die Erhebung startet im Dezember 2025 und wird voraussichtlich ach Wochen dauern. Die Datenanalyse erfolgt unmittelbar im Anschluss. Erste Ergebnisse sollen im Rahmen der DGA-Jahrestagung 2026 vorgestellt und diskutiert werden.
Schlussfolgerung: Die aktuell laufende quantitative Erhebung stellt die zweite Phase eines nationalen Mixed-Methods-Forschungsprojekts dar. Aufbauend auf den qualitativen Ergebnissen soll sie eine systematische Quantifizierung der Prozessqualität und relevanter Einflussfaktoren des Neugeborenenhörscreenings ermöglichen. Die Befunde werden einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung evidenzbasierter Handlungsempfehlungen leisten, um die Prozessqualität zu verbessern, Kommunikations- und Verantwortlichkeitsstrukturen zu stärken und eine einheitlichere Umsetzung des Screenings in allen Geburtssettings zu fördern.
Literatur
[1] G-BA. Neugeborenen-Hörscreening. Zusammenfassende Dokumentation zum Normsetzungsverfahren. 2008.[2] Brockow I, Söhl K, Hanauer M, Heißenhuber A, Marzi C, Am Zehnhoff-Dinnesen A, Matulat P, Mansmann U, Nennstiel U. Neugeborenen-Hörscreening in Deutschland – Ergebnisse der Evaluationen 2011/2012 und 2017/2018 [Newborn hearing screening in Germany-results of the 2011/2012 and 2017/2018 evaluations]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2023 Nov;66(11):1259-1267. German. DOI: 10.1007/s00103-023-03779-0



