28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
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Tonhöhenwahrnehmung in der basalen Cochlea bei SSD-Patienten mit Cochlea Implantat
Text
Die Tonhöhenwahrnehmung ist ein zentraler Bestandteil der auditiven Verarbeitung und beeinflusst maßgeblich das Sprachverstehen, die Musikwahrnehmung, sowie die akustische Orientierung. Sie wird im Wesentlichen durch zwei Faktoren bestimmt: die Stimulationsrate und den Stimulationsort innerhalb der Cochlea. Bei akustischer Stimulation besteht zwischen diesen Parametern ein fester anatomisch-physiologischer Zusammenhang, der bei elektrischer Stimulation mittels Cochlea-Implantat (CI) jedoch nicht zwingend gegeben ist. Individuelle Unterschiede in der Größe der Cochlea sowie in der Position der Elektrodenkontakte können dazu führen, dass der Stimulationsort nicht der anatomisch typischen Region entspricht.
In dieser Studie wurde die inter- und intraindividuelle Variabilität in der basalen Cochlea in Bezug auf die Tonhöhenwahrnehmung bei einseitig ertaubten (Single-Sided-Deafness, SSD) Patientinnen und Patienten mit CI untersucht. Hierzu wurde ein Tonhöhen-Matching zwischen dem CI-Ohr und der normalhörenden Seite an einer basalen und einer apikalen Elektrode durchgeführt.
Wie zu erwarten, zeigen die Ergebnisse, dass eine tiefere Insertion bzw. die Stimulation der apikalen Elektrode mit einer tieferen wahrgenommenen Tonhöhe einhergeht. Interessanterweise führte die Stimulation der basalen Elektrode zu einer höheren intra- und interindividuellen Variabilität, obwohl frühere Studien (z.B. [1], [2]) eine größere Variabilität eher im apikalen oder medialen Bereich berichten.
Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass die Tonhöhenwahrnehmung im basalen Bereich der Cochlea bei CI-Trägerinnen und -Trägern mit SSD stärker variiert als bisher angenommen. Diese erhöhte Variabilität im basalen Bereich könnte auf spezifische psychoakustische Phänomene, wie beispielsweise Oktavverwechslungen, zurückzuführen sein. Auch die Lage der Elektrode innerhalb der Scala tympani könnte die beobachtete Variabilität beeinflussen. Diese Aspekte sollen in weiteren Studien untersucht werden.
Literatur
[1] Schatzer R, Vermeire K, Visser D, Krenmayr A, Kals M, Voormolen M, Van de Heyning P, Zierhofer C. Electric-acoustic pitch comparisons in single-sided-deaf cochlear implant users: frequency-place functions and rate pitch. Hear Res. 2014 Mar;309:26-35. DOI: 10.1016/j.heares.2013.11.003[2] Stakhovskaya O, Sridhar D, Bonham BH, Leake PA. Frequency map for the human cochlear spiral ganglion: implications for cochlear implants. J Assoc Res Otolaryngol. 2007 Jun;8(2):220-33. DOI: 10.1007/s10162-007-0076-9



