28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
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Simultane Therapie und Hörrehabilitation eines intracochleären Schwannoms
Text
Hintergrund: Innenohrschwannome sind selten und variieren bezüglich Ausdehnung und Lokalisationen [1], [2]. Bei Ertaubung ist für die Teilhabe die adäquate Hörrehabilitation dieser Patientengruppe von Relevanz und kann mit einem Cochleaimplantat (CI) erfolgen [1], [2], [3].
Fall: Ein 70-jähriger Patient litt unter einer progredienten Innenohrschwerhörigkeit auf dem rechten Ohr bei zusätzlicher hochgradiger Innenohrschwerhörigkeit links. Eine ausreichende Versorgung der Schwerhörigkeit war trotz bestmöglicher Hörgeräteversorgung nicht mehr gegeben.
Diagnostik: In der Tonaudiometrie zeigte sich rechts eine an Taubheit grenzende Innenohrschwerhörigkeit mit keinerlei Sprachverstehen und eine hochgradige Innenohrschwerhörigkeit links. Dieser Befund wurde durch die objektive Hörtestung bestätigt. In der MRT-Bildgebung zeigte sich eine Raumforderung der basalen Cochleawindung rechts. Die Diagnose eines intracochleären Schwannoms als Ertaubungsursache konnte gestellt werden.
Bei dem Patienten bestand der dringende Wunsch nach einer Hörrehabilitation rechts bei subjektiv noch zufriedenstellender Hörgeräteversorgung links. Nach ausführlicher Beratung des Patienten zu den verschiedenen Therapiemodalitäten entschied sich der Patient für die strahlentherapeutische Behandlung.
Therapie:
- Intracochleäre Platzhaltereinlage mit vorheriger Auditory Nerve Test System (ANTS)-Messung. Hier zeigten sich gute Nervenpotentiale.
- Vier Wochen postoperativ erfolgte die ablative stereotaktische Einzeit-Cyberknife-Bestrahlung mit 12 Gy Gesamtdosis. Anschließend zeigte sich im Nachsorgeintervall kein Rezidiv des Befundes.
- 22 Monate später erfolgte die intraoperative und im Vergleich zur vorherigen Messung stabile ANTS-Messung mit anschließender problemloser Cochleaimplantation mit dem CI MedEl Synchrony II, Flex28-Elektrode.
Schlussfolgerung: Die Wait-and-Scan-Strategie, die Tumorresektion und die stereotaktische Einzeitbestrahlung sind Therapiemodalitäten [1]. Bei geplanter Bestrahlung verhindert eine Platzhalter-OP die postradiogene cochleäre Vernarbung und erlaubt ein ausreichendes Nachsorgeintervall zum Ausschluss eines klinisch relevanten Tumorrests oder -rezidivs. Die intraoperative ANTS-Messung ist ein wichtiges Instrument, um die Funktionalität des Hörnervens nach Tumorresektion oder Bestrahlung zu überprüfen. Auch bei dieser Patientengruppe kann mit einem CI ein gutes Sprachverstehen erreicht werden [2], [3].
Literatur
[1] Plontke SK, Caye-Thomasen P, Strauss C, Kösling S, Götze G, Siebolts U, Vordermark D, Wagner L, Fröhlich L, Rahne T. Management of transmodiolar and transmacular cochleovestibular schwannomas with and without cochlear implantation. HNO. 2021 Jan;69(Suppl 1):7-19. DOI: 10.1007/s00106-020-00919-9[2] Plontke SK, Rahne T. Innenohrschwannome und Hörrehabilitation mit Cochleaimplantat – ein Update [Inner ear schwannomas and hearing rehabilitation with cochlear implants-an update]. HNO. 2025 Aug;73(8):547-549. German. DOI: 10.1007/s00106-025-01639-8
[3] Iannacone FP, Rahne T, Zanoletti E, Plontke SK. Cochlear implantation in patients with inner ear schwannomas: a systematic review and meta-analysis of audiological outcomes. Eur Arch Otorhinolaryngol. 2024 Dec;281(12):6175-6186. DOI: 10.1007/s00405-024-08818-3



