28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Einfluss des Lebensalters auf das Sprachverstehen in unterschiedlichen Störgeräuschen bei bilateral versorgten Cochlea Implantat Nutzer:innen
Text
Hintergrund und Fragestellung: Cochlea Implantat (CI) Nutzer:innen berichten häufig über erhebliche Schwierigkeiten beim Sprachverstehen in geräuschvollen Kommunikationssituationen, insbesondere wenn mehrere Personen gleichzeitig sprechen. Wie bereits bei normalhörenden und bei hörgeschädigten Personen beobachtet wurde, nehmen diese Probleme mit steigendem Lebensalter zu. Ziel der vorliegenden Studie war es, den Einfluss des Alters auf das Sprachverstehen von bilateral versorgten CI-Nutzer:innen unter verschiedenen Störgeräuschbedingungen zu untersuchen.
Es wurde angenommen, dass das Lebensalter nur einen geringen Einfluss auf das Sprachverstehen bei stationärem Störgeräusch hat, während bei einem sprachbasierten Maskierer altersabhängige Verschlechterungen erwartet werden, unter anderem aufgrund altersbedingter Einschränkungen in der Verarbeitung zeitlicher Feinstrukturen.
Methoden: In einer retrospektiven Analyse wurde das Sprachverstehen bilateral versorgter jugendlicher und erwachsener CI-Nutzer:innen untersucht. Die Messungen erfolgten mit dem Oldenburger Satztest unter zwei Störgeräuschbedingungen: einem stationären Rauschen (OlNoise) und einem fluktuierenden sprachbasierten Maskierer (International Speech Test Signal, ISTS). Nutz- und Störsignale wurden frontal (S0N0) dargeboten. Der Ausgangspegel betrug 65 dB SPL bei 0 dB SNR (OlNoise) bzw. 5 dB SNR (ISTS). Adaptiv wurde die 50%-Sprachverständlichkeitsschwelle (SRT50) bestimmt. Die CI-Nutzerinnen im Alter von 11 bis 82 Jahren wurden in vier Altersgruppen eingeteilt: Gruppe 1 (11–17 Jahre), Gruppe 2 (18–49 Jahre), Gruppe 3 (50–66 Jahre) und Gruppe 4 (> 67 Jahre).
Ergebnisse: Beim stationären Störgeräusch (OlNoise) zeigten sich vergleichbare Sprachverständlichkeitsschwellen über alle Altersgruppen hinweg. Im Gegensatz dazu wiesen die CI-Nutzer:innen der älteren, mittleren Altersgruppe (Gruppe 3) sowie die älteste Kohorte (Gruppe 4) beim Sprachmaskierer (ISTS) ein signifikant schlechteres Sprachverstehen im Vergleich zu den jüngeren Gruppen (Gruppe 1 und 2) auf. Unabhängig vom Alter war das Sprachverstehen mit dem sprachbasiertem Störsignal über alle Gruppen hinweg schlechter im Vergleich zum stationären Störgeräusch.
Schlussfolgerung: In der klinischen Routine werden zur Erfassung des Sprachverstehens häufig ausschließlich stationäre Störgeräusche eingesetzt. Dadurch werden die Herausforderungen realer Alltagssituationen, insbesondere für ältere CI-Nutzer:innen, unzureichend abgebildet. Die Ergebnisse dieser Studie sprechen dafür, sprachbasierte Störsignale stärker in die klinische Diagnostik und Rehabilitation zu integrieren. So können altersbedingte Einschränkungen im Sprachverstehen besser erfasst werden, um eine Beeinträchtigung der Lebensqualität sowie sozialem Rückzug älterer CI-Nutzer:innen gezielt entgegenzuwirken.



